Gipfelstürmer in Timmel

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Die Gezeitenkonzerte 2016 stehen unter dem Motto „SommerNachtsTraum“. Das stimmt für mich eigentlich nur zu einem Drittel: Vom Sommer merkt man hierzulande relativ wenig und Nacht ist es dann doch meistens erst nach Konzertende. Aber einen Traum durften wir erleben, wenn man sich an das Konzert am Freitagabend in Timmel zurückerinnert: Ganze 14 junge, aufstrebende Künstler des Studiengangs Master Kammermusik an der Hochschule für Musik, Theater und Medien, bei den Gezeitenkonzerten auch “Gipfelstürmer” genannt, erwiesen uns mitsamt ihrem Dozenten, Prof. Oliver Wille, die Ehre.

Auftakt mit dem Duo Liepe

Duo Liepe (Niklas, Violine und Nils Liepe, Klavier), Foto: Karlheinz Krämer
Duo Liepe (Niklas, Violine und Nils Liepe, Klavier), Foto: Karlheinz Krämer

Dabei drohte der Abend ins Wasser zu fallen: Es regnete Bindfäden. Ein Wunder, dass noch keiner von uns krank ist, so oft wie wir in diesen Tagen nass werden. Auch organisatorisch war es gestern eine kleine Meisterleistung: 14 Künstler wollten noch proben, der Flügel musste gestimmt werden, Platzkarten ausgeteilt und das alles in weniger als zwei Stunden. Wir konnten pünktlich um 20:00 Uhr mit dem Duo Liepe beginnen. Professor Wille erklärte einleitend, dass diese Sonate in c-Moll eine Sonate des Aufbruchs sei. Damit hat er Recht, denn viele Experimente von Beethoven stehen in dieser Tonart, zum Beispiel die revolutionäre 5. Symphonie (da-da-da-daaaaaaa) oder auch die  etwas unbekanntere Fantasie für Chor und Orchester, quasi ein Prototyp zum Schlusssatz der Symphonie 9. Ein „Auftakt nach Maß“, wie Béla Réthy sagen würde, denn die Sonate war vor allem laut und fröhlich und holte alle Besucher aus ihrem Regen-Tief. Das Duo war perfekt aufeinander abgestimmt, was bei Brüdern nicht zu verwunderlich ist.

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Gezeiten-TV im Interview mit Lars Vogt

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London, Paris, Boston und Backemoor

Ein Fundstück, das seinen Weg in den Gezeitenblog noch nicht gefunden hat: Lars Vogt spielte am 3. Juli 2014 ein Gezeitenkonzert mit einem “Hammer-Programm“. Am Folgetag gaben vier seiner Studenten als Gipfelstürmer ein Konzert in Timmel. Diese kleinen beschaulichen Konzertorte standen im krassen Widerspruch zu seinen vorangegangenen Auftritten in London, Paris und Boston. Gezeiten-TV erzählt er, dass es ihm ein Anliegen ist, Musik zu den Menschen zu bringen…

Lebensverlängernde Nächte

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STGNUM saxophone quartet bei der 2. Langen Nacht der Gipfelstürmer der Gezeitenkonzerte 2014, Foto: Karlheinz Krämer
STGNUM saxophone quartet bei der 2. Langen Nacht der Gipfelstürmer der Gezeitenkonzerte 2014, Foto: Karlheinz Krämer

Wovon es zu viel gibt: stinknormale Abende. Wovon es zu wenig gibt: Lange Nächte der Gipfelstürmer bei den Gezeitenkonzerten. Zwei Nächte im Jahr mit ausgedehnter Livemusik über sechs Stunden sind entschieden zu wenig! Das dachte ich, als die zweite Lange Nacht im Auricher Hotel am Schloss in den frühen Morgenstunden am Sonntag zu Ende ging. Auch wenn das Team bei diesem Format immer alle Hände voll zu tun hat, gibt es doch ausreichend Zeit für den Genuss. Und dieses Format ist ein Genuss.

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Von der Metropole in den Festsaal

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Schloss Gödens, Gezeitenkonzert 2014, Foto: Karlheinz Krämer
Schloss Gödens, Gezeitenkonzert 2014, Foto: Karlheinz Krämer

Eigentlich sollte hier ein humorvoller Text stehen. Nach dem Gezeitenkonzert am Sonntag im Schloss Gödens mit dem Trio Machiavelli wollte ich, als bekennender Fan der britischen Serie Downton Abbey, das Konzert aus der ironischen Perspektive eines adeligen Besuchers schildern. Die einzigartige Kulisse, die einen in eine andere Zeit versetzt, bietet das an. Als wir am Sonntag nach Hause fuhren, gespannt auf das Fußball-Finale und beseelt von der tollen Atmosphäre und dem guten Konzert, wussten wir jedoch noch nichts vom tragischen Tod von Karl-Georg Graf von Wedel. Die Zeitungen berichteten am Montag.

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Die erste Lange Nacht der Gipfelstürmer 2014

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Janka Simowitsch und Emanuel Jessel, Foto: Karlheinz Krämer
Janka Simowitsch und Emanuel Jessel, Foto: Karlheinz Krämer

Nach dem großen Erfolg der Langen Nacht der Gipfelstürmer bei den Gezeitenkonzerten 2013 haben wir in diesem Jahr gleich zwei davon ins Programm aufgenommen. Beide waren relativ schnell ausverkauft. Am Samstagabend war es soweit. Nachdem sich die Gezeitenkonzerte über Tag am Auricher Projekt „Kulturhäppchen“ beteiligt hatten, indem sie Neugierige einluden, sich die Vorbereitungen im Ständesaal und im Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft anzuschauen, ging es um 18:00 Uhr los. Leider fing es pünktlich zum Start des Caterings eine Stunde vor Konzertbeginn an zu regnen, was für die Stimmung leider nicht sehr zuträglich war. Das war zwar schade, aber glücklicherweise diente unser Zeltdach im Landschaftsgarten auch als Regenschutz, unter dem auch das Team von Thiele und Freese mit seinem Tee-Stand – unschlagbar bei nicht-sommerlichen Temperaturen und Regen – Zuflucht fand.

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Im Windschatten der Berechenbarkeit

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Offener Brief an unentschlossene Musikliebhaber

Liebe „Gezeitenkonzert“-Ostfriesen,

Julian Steckel, Foto: Marco Borggreve
Julian Steckel, Foto: Marco Borggreve

wenn man den geschätzten Festival-Veranstaltern glauben darf, soll es für die Gezeitenkonzerte in Bagband und Timmel noch Karten geben! Das kann ich eigentlich kaum glauben. Also rühre ich hier und jetzt die Werbetrommel, um zu überzeugen, dass das ja eigentlich nicht wahr sein darf.

In Bagband spielen am 21. Juni um 15:00 Uhr, also zu fußballfreundlicher Zeit (Ghana verliert erst ab 21:00 Uhr gegen unsere Portugal-Besieger), Julian Steckel (Violoncello) und Lauma Skride (Klavier) ein tolles Programm. Für 18 oder 25 Euro – nicht pro Musikstück, pro Karte! Und Schüler und Studierende zahlen gar nur 5 Euro!

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War das ein Tag!

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Matthias Kirschnereit stellt die Gezeitenkonzerte 2014 vor, Foto: Karlheinz Krämer
Matthias Kirschnereit stellt die Gezeitenkonzerte 2014 vor, Foto: Karlheinz Krämer

Fast wäre es schief gegangen. Denn, „wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen!“ Gemeinsam mit Matthias Kirschnereit hatten wir gestern Vormittag einen wichtigen Termin in Sachen Gezeitenkonzerte in Emden. Dafür wollte er mit der Bahn anreisen. Allerdings war es wie häufig: Morgens um acht, nachdem er um viertel vor sechs den Zug in Hamburg bestiegen hatte, rief er an. Er stehe auf dem Bahnhof in Bremen, und der Anschlusszug sei weg. Also, ab ins Taxi und nach Oldenburg. Dort haben wir ihn auf dem ersten Autobahnparkplatz Richtung Leer aufgesammelt und sind weitergedüst. Der erste Part des Tages war schon einmal gerettet.

Matthias Kirschnereit, Foto: Karlheinz Krämer
Matthias Kirschnereit, Foto: Karlheinz Krämer

Abends, nach vielen weiteren Gesprächen und Interviews, hat Matthias Kirschnereit als künstlerischer Leiter der Gezeitenkonzerte der Ostfriesischen Landschaft das Programm für 2014 den Förderern und der Presse vorgestellt. Der ehrwürdige Ständesaal platzte aus allen Nähten, deutlich über hundert Gäste hatten sich angemeldet. Da wir aufgrund der kurzfristigen Terminfestlegung vor nicht einmal zwei Wochen eingeladen hatten, war damit absolut nicht zu rechnen. Ein voller Terminkalender und ein kreuz und quer durch die Weltgeschichte jettender Pianist zwischen Konzerten und CD-Aufnahmen ließ vor Mai nichts anderes zu.
Der Abend begann mit Musik, bevor Landschaftspräsident Helmut Collmann Matthias Kirschnereit begrüßte und ihn loslegen ließ. Wir wussten nicht, dass man in so kurzer Zeit die Künstler und Programme der 32 Gezeitenkonzerte für dieses Jahr so spannend vorstellen kann.

Begonnen mit dem Eröffnungskonzert mit der zurzeit weltbesten Trompeterin Tine Thing Helseth zusammen mit dem norwegischen HoT-Talent Ensemble Allegria am 20.6. um 20:00 Uhr in Emden, gefolgt von Julian Steckel (Cello) gemeinsam mit Lauma Skride (Klavier) am Folgetag um 15:00 Uhr in Bagband und der Aufführung von Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ mit dem Weserbergland Barockorchester, der Esenser Kantorei St. Magnus unter der Leitung von Inka Drengemann-Steudtner sowie Solisten am Sonntag, 22.6. um 17:00 Uhr in der St.-Magnus-Kirche Esens, gibt es ein Knaller-Wochenende zum Auftakt.

Angesichts von Wort & Musik Programmen mit Roger Willemsen mit Olena Kushpler (Klavier) mit ihrem Hiob-Programm (Donnerstag, 10.7. um 20:00 Uhr auf Gut Horn Gristede) oder Dominique Horwitz zusammen mit dem Jourist Quartett (Sonntag, 20.7. um 17:00 Uhr in Münkeboe) ging ein lautes Raunen durch den Saal. Aber auch die Ankündigung der „Stars der Festivalfamilie“ wie Sharon Kam, Christian Tetzlaff oder Lars Vogt, die allesamt in ganz anderen Formationen als zuvor wiederkommen, riss zu begeisterten Zwischenrufen hin. Die Klarinettistin spielt ein sehr spannendes Programm mit zwei Klarinetten und Klavier mit ihrem Kollegen Johannes Peitz und der jungen, aufstrebenden Gipfelstürmerin Danae Dörken am Freitag, 11.7. um 19:30 Uhr in Bockhorn. Christian Tetzlaff kommt mit seinem Quartett am Sonnabend, 12.7. um 17:00 Uhr in die Johannes a Lasco Bibliothek nach Emden und Lars Vogt spielt solo ein sehr anspruchsvolles Programm am Donnerstag 3.7. um 20:00 Uhr in Backemoor, bevor er am nächsten Tag die Moderation bei einem Konzert seiner Gipfelstürmer Aaron Pilsan, Jamie Bergin und – aha! – Danae Dörken um 15:00 Uhr in Timmel übernimmt. Als Initiator von Rhapsody in School wird er überdies sicherlich mit gutem Beispiel vorangehen und am Vormittag eine Rhapsody in einer ostfriesischen Schule geben, sodass nachmittags hoffentlich viele Kinder oder Jugendliche im Publikum zu finden sind.

Sie merken, es gibt ungewohnt viele unterschiedliche Zeiten. Schuld ist in den meisten Fällen die Fußball-WM, und nachdem Sharon Kam mir erzählt hat, dass sie vor zwei Jahren während der EM in Berlin in einem fast leeren Saal gespielt hat, weil zum gleichen Zeitpunkt die deutsche Nationalelf am Zug war, weiß ich, dass es keine Spinnerei, sondern durchaus ernstzunehmende Terminplanung ist. Diejenigen unter Ihnen, die abends nicht mehr so gerne weite Strecken mit dem Auto zurücklegen, wird es hoffentlich freuen.

Das diesjährige Motto der Gezeitenkonzerte lautet „Kontraste!“, was sich natürlich in den einzelnen Programmen widerspiegelt und auch in den Gezeiten an sich. Sehr bildhaft wurde das von Matthias Kirschnereit mit einem Goethe-Zitat unterlegt: „Im Atemholen sind zweierlei Gnaden: Die Luft einziehn, sich ihrer entladen. Jenes bedrängt, dieses erfrischt. So wunderbar ist das Leben gemischt. Du danke Gott, wenn er dich preßt, und dank ihm, wenn er dich wieder entläßt.“

Alle Termine werde ich hier nicht auflisten, einige habe ich vor einiger Zeit auch schon verraten – bis Matthias Kirschnereit mich bat, ihm noch etwas übrig zu lassen. Sie können gerne schon einmal einen Blick auf die Übersicht auf der Homepage werfen. Außerdem wird es hier in der nächsten Zeit weitere ausführliche Informationen zu den einzelnen Gezeitenkonzerten geben.

Zum Abschluss der Gezeitenkonzerte gibt es vom 7. bis zum 9.8. noch eine weitere Besonderheit – eine Art Festival im Festival, wenn an drei aufeinander folgenden Tagen junge ARD-Preisträger „am Stück“ spielen. Es beginnt mit der reizenden Violinistin Hyeyoon Park, die mit gerade einmal 17 Jahren der 1. Preis beim ARD-Wettbewerb gewonnen hat und zusammen mit dem hervorragenden Pianisten Florian Uhlig in Ditzum auftritt. Dann spielt Oboist und 1. ARD-Preisträger Ramón Ortega Quero (zusätzlich auch zweifacher ECHO-Klassik-Preisträger) mit Annika Treutler in Dunum (ja, das ist die, die vor zwei Jahren zusammen mit dem Amaryllis Quartett in Pewsum überzeugt hat), und zum Abschluss spielen Violinist Sven Stucke, Hornist und 2. ARD-Preisträger Paolo Mendes und Pianist Johann Blanchard in der Kirche zu Ochtersum (neuer Spielort) u.a. Brahms Horntrio.

Den krönenden Abschluss bildet am Sonntag, 10.8. um 17:00 Uhr in der Großen Kirche Leer die Deutsche Kammerakademie Neuss unter der Leitung von Lavard Skou Larsen zusammen mit Matthias Kirschnereit. Bis dahin sind diese Künstler ein dermaßen eingespieltes Team (nach drei CD-Aufnahmen mit Händel innerhalb eines Jahres), dass man sie direkt aus dem Schlaf zum Spielen auf die Bühne holen könnte.

Viele der Anwesenden spiegelten uns ihre Freude über das vielfältige Programm, aber auch über diesen sympathischen, eloquenten künstlerischen Leiter zum Anfassen. Das war deutlich zu merken, denn nach der Vorstellung und den musikalischen Intermezzi, unter anderem der beeindruckenden Klaviersonate Nr. 3 des jungen Johannes Brahms, mischte er sich unter die Gäste, und wurde dem Ansturm vieler, wenn auch nicht aller, gerecht. Wir mussten dann leider ein bisschen treiben, damit Matthias Kirschnereit rechtzeitig in Oldenburg den letzten Zug in Richtung Heimat erreichen konnte: Gegen ein Uhr war er nach einem erfolgreichen Mammuttag zu Hause und konnte was erzählen.

Eske Nannen, Helmut Collmann und Matthias Kirschnereit im Gespräch, Foto: Karlheinz Krämer
Eske Nannen, Helmut Collmann und Matthias Kirschnereit im Gespräch, Foto: Karlheinz Krämer

Stürmische Zeiten in Dangast

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Altes Kurhaus Dangast, Foto: Karlheinz Krämer
Altes Kurhaus Dangast, Foto: Karlheinz Krämer

Wer braucht schon Sonnenschein? Das Alte Kurhaus in Dangast präsentierte sich am Mittwochabend von seiner stürmischen Seite. Der Wind pfiff um das alte Gemäuer, zerrte an Jacken und Röcken und versetzte so mancher Frisur den haartechnischen “Todesstoß”. Das hatten sich viele Gäste des Gezeitenkonzertes mit dem SIGNUM Saxophonquartett wohl anders vorgestellt: Mit der Sonnenbrille auf der Nase und der Abendsonne im Gesicht hatte man sich auf der Terrasse mit Meer- oder wahlweise Wattblick sitzen sehen. In der Hand eine Weinschorle oder eine Tasse Kaffee, auf dem Teller ein Stück des legendären Rhabarber-Baiser-Kuchens. Soweit der Plan – wenn es da nicht dieses für diese Region so typische Schietwetter gäbe…

Denn zugegeben – die letzten Wochen wurden wir von den hochsommerlichen Temperaturen nun wirklich auf eher ungewohnte Art und Weise verwöhnt. Und so machte es den meisten Besuchern am Mittwochabend auch nichts aus, den Kuchen, einen Kaffee oder alternativ auch einen Teller dampfendem Möhreneintopf hinter den hohen Fenstern des Kurhauses einzunehmen, vor denen der Sturm tobte. Manch einer schien sogar einmal tief durchzuatmen, ob der Hitze der letzten Wochen. Frischluft frei Haus. Doch nun genug vom Wetter…

Das SIGNUM Saxophonquartett auf dem Weg zur Gezeiten-Fotosession, Foto: Karlheinz Krämer
Das SIGNUM Saxophonquartett auf dem Weg zur Gezeiten-Fotosession, Foto: Karlheinz Krämer

Das Kurhaus in Dangast platzte am Mittwoch jedenfalls aus allen Nähten – und das mit Recht. Denn die vier charismatischen Musiker des SIGNUM Saxophonquartetts machten einfach Spaß. Und das sogar schon vor dem Konzert. Mit unserem Festivalfotografen Karlheinz Krämer stapften sie im schwarzen Abenddress durch den Sturm zum Steg, der in der Nähe des Kurhauses ins Wasser/Watt ragt. Dort posierten die vier mit ihren Instrumenten und fliegenden Rockschößen für das Plakat der Gezeitenkonzerte 2014. Locker und unbefangen machten die Künstler Quatsch und sorgten so bei unserem Fotografen für einen lockeren Finger am Auslöser. Das Ergebnis sind Aufnahmen mit Aussage, Witz und Dynamik. Da wird es – glücklicherweise – schwer werden, das Passende für die Gezeitenkonzerte 2014 zu finden.

Freude und Spaß am Spiel bewiesen die Musiker anschließend auch beim Konzert. Vieles spielten sie auswendig und mit jeder Menge Verve – das riss mit, das begeisterte. Ob bekannte Klänge aus Gershwins “Porgy and Bess” oder extra für das Quartett geschriebene Werke aus der Feder der litauischen Komponistin Zita Bružaitė – so schön, kraftvoll und energiegeladen hat man Saxophon selten gehört. Und während das Ohr ganz bei den Künstlern auf der Bühne war, suchte das Auge hin und wieder den Jadebusen vor dem Fenster. Dort suchte sich in der Abenddämmerung das Wasser glucksend seinen Weg zurück in die Priele. Musik, Natur, Gefühl, Genuss. Ein Konzert mit dem gewissen Etwas eben!

Das SIGNUM Saxophonquartett als Gipfelstürmer beim Gezeitenkonzert beim Alten Kurhaus Dangast, Foto: Karlheinz Krämer
Das SIGNUM Saxophonquartett als Gipfelstürmer beim Gezeitenkonzert beim Alten Kurhaus Dangast, Foto: Karlheinz Krämer

Pleiten, Pech und Pannen: Was dem Besucher verborgen bleibt

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Im Garten der Ostfriesischen Landschaft, Foto: Karlheinz Krämer
Im Garten der Ostfriesischen Landschaft, Foto: Karlheinz Krämer

Eine Lange Nacht hat einen Vorlauf von einem langen Tag. Bereits am Donnerstagabend waren die ersten Künstler, nämlich Wassily und Nicolai Gerassimez, angereist, die wir dann gleich am Freitag für eine andere wichtige Veranstaltung eingespannt haben. Freitag folgten weitere, Samstagnachmittag die letzten. Gleich in diesem Zusammenhang ist es tatsächlich zur ersten Panne bei den Gezeitenkonzerten gekommen. Unser einziger Schauspieler zwischen all den Musikern, Tino Kühn, rief mich Samstagmittag an, um mir zu erzählen, dass er in Leer angekommen sei. Wunderbar eigentlich, aber sowohl unser Fahrdienstleiter als auch sein Kollege waren doch noch in Aurich?! Also sagte ich ihm: „Tino, herzlichen Glückwunsch! Ich freue mich, dass Du da bist, aber wir haben ein Problem. Du bist der erste Künstler, der bei den Gezeitenkonzerten auftritt, den wir vergessen haben, abzuholen.“ Glücklicherweise war das halb so wild. Schmunzelnd hat er sich in den nächsten Bus nach Aurich gesetzt und kam gut gelaunt bei uns in der Ostfriesischen Landschaft an.

Es begann eigentlich schon mit dem Regenschauer am Morgen. Nachdem wir wettertechnisch in den letzten Tagen dermaßen verwöhnt worden waren, wollten wir mutig sein und den Auftritt von JOCO als Schlussact in den Garten verlegen. Unser Bühnen-, Licht- und Ton-Mann Dieter Schur war skeptisch. Das ginge nur bei wirklich gutem und stabilem Wetter. Und dann so etwas. Die Bühnenteile standen doch schon auf dem Hof. Wenig später klarte es wieder auf und wurde warm. Das Pagodenzelt wurde geliefert; Dieter kam und baute auf. So weit, so gut. Kurz nach dem oben erwähnten Anruf von Tino ging es weiter mit einem Anruf von Berit Sohn, unserer Künstlerbetreuerin, die mich von der Probe der Academy of Taiwan Strings (ATS) anrief, um mich zu fragen, ob wir kurzfristig noch ein Cello in unsere Instrumentenversicherung einschließen könnten. Am Samstagnachmittag äußerst schwierig… Was war passiert? Beim Transport war das Cello einer der Streicherinnen der ATS bedauerlicherweise kaputt gegangen, und es musste für Ersatz gesorgt werden. Glücklicherweise half uns Albrecht Kottmeyer, zufälligerweise der Gastgeber von Tino, aus und lieh uns sein Cello für die Probe und das Konzert der ATS zusammen mit Ingolf Turban am Sonntag. Herzlichen Dank dafür!

Der Morris Minor von Thiele Tee, Foto: Karlheinz Krämer
Der Morris Minor von Thiele Tee, Foto: Karlheinz Krämer

Mittlerweile war es ganz unbemerkt schon 16:30 Uhr geworden. Die ersten Gäste aus dem Emsland kamen schon in den Landschaftsgarten. Glücklicherweise war sowohl das Catering-Team als auch der Förderer der Langen Nacht, die Firma Thiele & Freese aus Emden, schon fertig. Erstmalig gab es nicht nur kalte Getränke und Kaffee, sondern auch Thiele Tee, stilecht serviert in den Teetassen mit der Friesischen Rose mit Kluntje und Sahne. Dazu gab es Scoontjes, die ostfriesische Variante der englischen Scones. Diese Neuerung kam sehr gut beim Publikum an, und gerne hätte auch ich zwischendurch ein Tässchen Tee getrunken. Franz Thiele war extra für diesen Abend mit dem Morris Minor, einem wunderschönen Oldtimer der Firma Thiele, nach Aurich gefahren: ein tolles Auto!

Der getarnte Container - eine wahre Zier, Foto: Karlheinz Krämer
Der getarnte Container – eine wahre Zier, Foto: Karlheinz Krämer

Donnerstagabend gab es das Gezeitenkonzert mit den 60 jungen Musikerinnen und Musiker der beiden Jugendorchester, dem Haydn Jeugd Strijkorkest und dem Puchheimer Jugendkammerorchester, in der Kirche zu Weener und wir hatten es noch nicht geschafft, alle Notenpulte aus dem Landschaftsforum zu räumen. Jetzt hieß es, schnell zu handeln, damit alles ordentlich aussieht, bis das Publikum in die Räume strömt. Was sich leider nicht mehr vermeiden ließ, war, dass der Abfallcontainer im Hof stehen bleiben musste, obwohl der Archäologische Dienst seit zwei Wochen eine Abholung gefordert hatte. Dirk Lübben und Lothar Milkau haben ihn kurzerhand zur Werbefläche umfunktioniert.

Dadurch, dass Berit immer a l l e s so wunderbar für die Künstler vorbereitet und dabei jegliche Eventualität im Blick hat, sind wir äußerst verwöhnt, weil wir mit diesem Part nichts zu tun haben, ihr höchstens mal beim Aufräumen zur Hand gehen – und das freiwillig, weil sie nicht fragen würde. Nun aber war es so, dass Berit die Proben der ATS in Leer begleiten musste. Natürlich konnten sich alle Künstler beim Caterer mit Getränken und den kulinarischen Angeboten bedienen, aber es ist doch nett, wenn auch in der Künstlergarderobe Getränke, Obst und ähnliches bereit steht. Es fiel mir ganz kurz vor dem Eintreffen der Künstler ein. Glücklicherweise war fast alles da, bzw. konnte umgehend besorgt werden. Wie gut, dass solche Kleinigkeiten nach außen hin nicht auffallen.

Allein die Organisation von gut 220 Gästen und 14 Künstlern in zwei Räumen bedarf vieler Überlegungen, und angesichts der Wärme fließen viele Schweißtropfen über Stirn und Rücken. Um die beiden Gruppen gleichmäßig aufs Landschaftsforum und den Ständesaal zu verteilen, gab es beim Einlass gelbe und blaue Karten. Thieles bekamen die gelbe Karte, was auf beiden Seiten zur Erheiterung führte, zeigt man diese doch eigentlich nicht seinem Förderer!

Pünktlich um 18:00 Uhr ging es mit der Begrüßung durch Matthias Kirschnereit für alle im Garten los, die beiden Gruppen verteilten sich auf die jeweiligen Räume, die Musiker warteten geduldig auf ihre Auftritte und legten los. Meisterleistungen fast non stop gab es bis Mitternacht, danach ein zufriedenes Beisammensein von Künstlern und einem Teil des Teams. Andere mussten leider abbauen. Um drei Uhr nachts konnten wir die Türen der Ostfriesischen Landschaft abschließen.

Mein Fazit am Ende einer Langen Nacht: Es war grandios! Alle Mühe hat sich gelohnt. Simon hat es schon beschrieben: Unsere Gipfelstürmer haben mal wieder ein Feuerwerk abgebrannt und das Publikum war begeistert. Viele enthusiastische Mails oder Anrufe, bzw. Ansprachen beim gestrigen Konzert in Leer machten das auch im Anschluss noch einmal deutlich. Alle waren sich einig: Die Ostfriesische Landschaft war ein toller Organisator und Gastgeber eines großartigen Gezeitenkonzertes und hat den Gipfelstürmern ein wunderbares Podium geboten.

Nachts vor der Ostfriesischen Landschaft, Foto: Karlheinz Krämer
Nachts vor der Ostfriesischen Landschaft, Foto: Karlheinz Krämer

Eine Nacht für die Geschichtsbücher

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Wassily und Nikolai Gerassimez, Foto: Karlheinz Krämer
Wassily und Nikolai Gerassimez, Foto: Karlheinz Krämer

14 Künstler, 2 Moderatoren, 6 Stunden Musik, 3 Bühnen, 220 Besucher, bestimmt tausende Takte Musik, Klassik, Jazz, Pop, Gesang, Schauspiel. Allein die Statistik enthält Superlative. Die Lange Nacht der Gipfelstürmer bot so ziemlich alles, was sich ein Mensch erträumen kann, wenn er sich für Musik und Kultur interessiert. In vielerlei Hinsicht war die Lange Nacht schon vorher als einer der Höhepunkte der Gezeitenkonzerte bezeichnet worden. Denn dass die Gipfelstürmer das Potenzial haben, die Besucher vom Hocker zu reißen, erleben wir seit anderthalb Jahren. All diese Gipfelstürmer zusammen an einem Abend? Ein Traum.

Liya Petrova und Pau Codina Masferrer, Foto: Karlheinz Krämer
Liya Petrova und Pau Codina Masferrer, Foto: Karlheinz Krämer

Wie lief dieses Wandelkonzert nun ab? In zwei Räumen, dem wunderschönen Ständesaal und dem Landschaftsforum, fanden zeitgleich Konzerte statt, in denen sich die Musiker abwechselten. Vorher wurden die Besucher in zwei Gruppen, die blaue und gelbe Gruppe eingeteilt. Nach der ersten Pause wechselten dann die Gruppen die Räume, man „wandelte“ also durch die Räumlichkeiten der Ostfriesischen Landschaft. Aber nicht nur die Besucher, sondern auch die Musiker flitzten noch während des Konzertes zwischen den Räumen hin und her, sodass jeder Besucher auch in den Genuss aller Stücke kam. Nach der zweiten Pause fanden sich dann alle – Musiker und Besucher – im Forum zusammen, wo alle Künstler noch einmal spielten und dann bei der Musik von JOCO den Abend im Innenhof der Landschaft ausklingen ließen.

Helge Aurich und David Kindt, Foto: Karlheinz Krämer
Helge Aurich und David Kindt, Foto: Karlheinz Krämer

So viel zur Struktur, die viel komplizierter klingt als es tatsächlich war und sich als riesiger Erfolg herausstellte. Pünktlich um 18:00 Uhr ging es bei besten sommerlichen Temperaturen entspannt im Innenhof los, wo Matthias Kirschnereit die Gäste begrüßte und mit der Struktur des Abends vertraut machte. Bereitwillig zogen alle in ihre jeweiligen Räume und ließen sich verzaubern von den jungen Künstlern, die euphorisiert und elektrisierend alle in ihren Bann zogen. Matthias Kirschnereit und Ulf Brenken moderierten jeweils die Konzerte, unterhielten das Publikum mit kurzweiligen Anekdoten und Informationen zu Komponisten, Werken und Musikern und führten so bereichernd durch die Lange Nacht.

Vasyl Kotys und Karo Khachatryan, Foto: Karlheinz Krämer
Vasyl Kotys und Karo Khachatryan, Foto: Karlheinz Krämer

Ein einzelner Blogeintrag reicht überhaupt nicht aus, um alle Künstler entsprechend zu würdigen. Für diejenigen, die diese Nacht leider verpasst haben, reicht vielleicht schon die Auflistung all derer aus, die mitgewirkt haben, um eine Vorstellung zu bekommen. Einige bekannte Namen kennt man noch aus dem letzten Jahr, einige sind dazu gekommen, wie der Tenor Karo Khachatryan, der mit seinen Arien die Landschaft zum Beben brachte, oder der Schauspieler Tino Kühn, der Texte vortrug und alle Register der schauspielerischen Darbietung zog. Vasyl Kotys (Klavier), Lilit Grigoryan (Klavier), Liya Petrova (Violine), Pau Codina Masferrer (Violoncello), Nicolai Gerassimez (Klavier), Wassily Gerassimez (Violoncello), Helge Aurich (Klavier) und David Kindt (Klarinette) standen am Ende gemeinsam auf der Bühne und verbeugten sich und erhielten donnernden Applaus, ein Bild für das Geschichtsbuch der Gezeitenkonzerte.
Matthias Kirschnereit bedankte sich für die gelungene Premiere. Dass dieses Wandelkonzert wiederholungswürdig ist, stand da schon fest. Vor allem der letzte gemeinsame Teil im Forum war für den künstlerischen Leiter eine Herzensangelegenheit. Denn es gab zwar ein offizielles Programm – das wurde aber am Ende über den Haufen geworfen und jeder spielte mehr oder weniger spontan. So wurde der Abschluss eine spannende Improvisation („Überraschungen“ stand im Programm), das Ganze funktionierte quasi auf Zuruf: „Wassily, willst du noch spielen?“. So wurde die oft übliche und strenge Liturgie des Klassikkonzertes abgelöst von einer entspannten, aber zugleich höchst konzentrierten und intensiven Atmosphäre mit dem Gefühl von „Hier und jetzt kann jetzt alles passieren“. Der Kreislauf des Kunstwerkes von Werk, Interpret und Publikum – selten wurde er so deutlich wie bei der Langen Nacht. Lang war der Sonnabend tatsächlich, der dritte Teil endete gegen 23:15 Uhr (man bedenke: es ging um 18:00 Uhr los!). Das störte niemanden, im Gegenteil: alle strömten zurück in den Innenhof, wo den ganzen Abend lang das Haase Catering und Thiele Tee für das Leib und Wohl sorgten und die ostfriesische Band JOCO den letzten musikalischen Höhepunkt bot. Zu deren wunderbaren Klängen und dem harmonischen Gesang der beiden Schwestern Cosima und Josepha ließ man die laue Sommernacht mit einer Gartenparty ausklingen. Die Lange Nacht der Gipfelstürmer – auch im nächsten Jahr!

JOCO, Foto: Karlheinz Krämer
JOCO, Foto: Karlheinz Krämer

Stürmische Gezeiten

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Alexandra Conunova-Dumortier (Violine) und Lilit Grigoryan (Klavier), Foto: Karlheinz Krämer
Alexandra Conunova-Dumortier (Violine) und Lilit Grigoryan (Klavier), Foto: Karlheinz Krämer

Lilit Grigoryan war meine persönliche Entdeckung des letzten Jahres. Matthias Kirschnereit hatte im Vorfeld einiges von ihr erzählt, und als mir diese energiegeladene junge, hübsche Frau bei der Langen Nacht in Landow auf Rügen begegnete, war ich wirklich fasziniert. Es war eine Freude, ihr beim Klavierspiel zuzuschauen und zu lauschen. In Wiegboldsbur konnte sich dann auch unser Team von meinen Schilderungen überzeugen. Alexandra Conunova-Dumortier begegnete mir indirekt kurz nach den Gezeitenkonzerten 2012, als sie Fan der Facebook-Seite wurde. Als ich Matthias fragte, ob er sie kenne antwortete er sofort: „Ja, die möchte ich auch gerne mal nach Ostfriesland holen!“ Kurz darauf durfte ich mich intensiver mit ihr beschäftigen, denn da hatte sie den ersten Preis des Internationalen Joseph Joachim Violinwettbewerbs der Stiftung Niedersachsen gewonnen, den wichtigsten und höchstdotierten Preis für dieses Instrument. Zuvor hatte bei uns im Landschaftsforum Ju-Ni Lee, eine Teilnehmerin des Wettbewerbs „Zu Gast in Niedersachsen-Konzert“ gastiert, sodass wir natürlich neugierig waren, wer in diesem Jahr das Rennen machen würde.

Lilit Grigoryan, Foto: Karlheinz Krämer
Lilit Grigoryan, Foto: Karlheinz Krämer

Dass ausgerechnet Lilit und Alexandra zusammen ein Gezeitenkonzert als Gipfelstürmerinnen in der wunderschönen Kirche zu Norden-Bargebur geben sollten, war für mich natürlich ein Highlight. Diese schöne, schlichte, aber gleichzeitig warme Kirche war wirklich der perfekte Ort für die beiden, was sich bereits nachmittags darin manifestierte, dass sie Fotos davon auf Facebook eingestellt hatten: „Our tonight’s venue to perform an incredibly rich programm including Debussy, Schubert Fantasy & co. Looking forward!“. & Co. war beispielsweise Vieuxtemps, auf den ich besonders gespannt war, spielt doch Alexandra die bisher noch nicht auf CD erschienenen „Six morceaux sur des thèmes russes ou divertissements d’amateurs für Violine und Klavier op. 24“ bei Naxos ein.

Alexandra Conunova-Dumortier, Foto: Karlheinz Krämer
Alexandra Conunova-Dumortier, Foto: Karlheinz Krämer

Die Auswahl der Stücke der beiden sympathischen Musiker führte zu einem absoluten Gleichgewicht und ließ sie mal wieder die ganze Bandbreite von Gefühlen ausdrücken. Das bemerkten auch die Gäste am Ausgang, von denen gleich mehrere zu Tränen gerührt waren. Nach dem begeisterten Applaus gab es jeweils eine Solo-Zugabe der beiden, wobei Lilits Arpeggione von Schubert am Schluss stand. Besonders schön fand ich, dass die sie dabei gemeinsam auf der Bühne blieben.

Es war wie bei den Gezeiten: mal laut, mal leise, mal stürmisch und mal fröhlich plätschernd. Und auch die beiden Künstlerinnen passten herrlich nach Ostfriesland: Unaufgeregte Gelassenheit trifft auf Begeisterung und Enthusiasmus. Sie überraschten mit ihrer Musik die Menschen nicht nur aus der Region.

Für den Vormittag hatte ich mit Karin Baumann von den Ostfriesischen Nachrichten zusammen mit Lilit Grigoryan und Alexandra Conunova-Dumortier einen Wattspaziergang mit Interview und schönen Fotos und eigentlich sogar Filmaufnahmen geplant. Leider wurde daraus nur ein Interview im Schutz der Strandkörbe, da es einfach zu kalt und zu windig war. Glücklicherweise hatten Uwe Pape und die Gastgeberin der beiden an Handtücher – eigentlich für die dreckigen Füße – gedacht, die die beiden aber als zusätzliche Wärmequelle nutzten. Witzigerweise kamen sie von unserem Förderer EDEKA, was ebenfalls bei Facebook vermerkt wurde: „During our interview, for the “Gezeitenkonzerte” Festival – freezing , wearing the latest towel model from EDEKA;-) with my Lilit“.

Lilit Grigoryan und Alexandra Conunova-Dumortier, Foto: Karlheinz Krämer
Lilit Grigoryan und Alexandra Conunova-Dumortier, Foto: Karlheinz Krämer

Begeisternde Entdeckungen beim Gezeitenkonzert in Timmel

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Das Mariani Klavierquartett als Gipfelstürmer beim Gezeitenkonzert in Timmel, Foto: Karlheinz Krämer
Das Mariani Klavierquartett als Gipfelstürmer beim Gezeitenkonzert in Timmel, Foto: Karlheinz Krämer

Entdeckungen – Das Schöne an dem Motto des Themenjahres der Ostfriesischen Landschaft ist ja, dass es unendlich weit gefasst werden kann. Das zeigte sich am Sonnabend beim zweiten Gipfelstürmerkonzert besonders deutlich.

 

 

 

 

Zunächst die Lokalität. Entdeckung Nr. 1: die Kirche. Zum ersten Mal durften die Gezeitenkonzerte in der Kirche Timmel zu Gast sein und diese wunderbare kleine neugotische Kirche entdecken. Die Kanzel wurde immerhin 1695 (!) geschaffen und die großzügige Holzverkleidung lassen den Raum bei Sonnenschein in warmen Farben erscheinen. Befürchtungen, dass die Akustik durch die Nähe zur Straße leiden könnte, wurden schnell ad acta gelegt. Der Klang war bis in die letzte Reihe klar und akzentuiert (was natürlich auch vor allem am exzellenten Klang der Marianis lag!).

Entdeckung Nr. 2: das Mariani Klavierquartett. Wibke hat hier ja schon geschrieben, dass man in diesem Fall ja eigentlich kaum noch von Gipfelstürmern sprechen kann, wenn Peter Philipp Staemmler (Violine) als festes Mitglied der Berliner Philharmoniker spielt und Barbara Buntrock (Viola) im Leipziger Gewandhausorchester die erste Solo-Bratsche gespielt hat.
Mozarts Klavierquartett Nr.1 g-moll bewies das eindrücklich. Hier wird als organische Einheit aus vier hochkarätigen Solisten musiziert, jeder Akzent macht Sinn, jede Note entsteht als Ensemble. Gerhard Vielhaber spielte seinen Flügel zurückhaltend und transparent-weich und es entwickelte sich in tolles Dialogspiel zwischen Flügel und Streichern.

Entdeckung Nr. 3: Frank Bridge. Natürlich haben etwas unbekannte, (oft) Werke aus dem 20. Jahrhundert einen Platz im Programm von Klassikkonzerten. Aber wenn der ausdrückliche Fokus auf diesen neuen Entdeckungen oder Wiederentdeckungen liegt, bekommen diese Kunstwerke eine völlig neue (Auf-)Wertung. Ebenso das Phantasy Piano Quartet fis-moll H. 94 (1910) des britischen Komponisten Frank Bridge (1879-1941). Einer dieser vielen Komponisten, die es noch nicht ins allgemeine Musikbewusstsein geschafft haben. Bridge wird leider tatsächlich darauf reduziert, einmal Benjamin Brittens Lehrer gewesen zu sein. Schade, das Stück war von einnehmender Qualität und vereinbarte spätromantische Bögen mit vorsichtig modern-avantgardistischen Prinzipien.

Nach der sommerlich entspannten Pause noch 40 Minuten Brahms – das erste Klavierquartett, ebenfalls g-moll. Musikgeschichtlich ließe sich dazu bestimmt viel sagen, wie Brahms diese Gattung weiterentwickelt hat. Aber ich schließe mal mit der schlichten Feststellung, dass das Ding spannend wie ein romantischer Actionfilm ist, mit seinem flirrenden Intermezzo und dem sinfonisch rauschenden Finalsatz.
Als Zugabe gab es einen Satz aus Schumanns Es-Dur Klavierquartett, bei dem die Marianis noch einmal mit allen lyrischen Qualitäten scheinen konnten. Bravo-Rufe, toller Applaus. Das Mariani Klavierquartett in Timmel – eine wahre Entdeckung.

Mariani Klavierquartett, Foto: Karlheinz Krämer
Mariani Klavierquartett, Foto: Karlheinz Krämer

Mariani Klavierquartett als Gipfelstürmer in Timmel

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Mariani Klavierquartett, Foto: Fabian Stürtz
Mariani Klavierquartett, Foto: Fabian Stürtz

Leider hat man, sobald die Gezeitenkonzerte begonnen haben, nicht mehr so viel Zeit, sich ausgiebig mit den Künstlern und deren Programmen zu beschäftigen. Schade eigentlich. Ab Montag legt mir Kollege Gert Ufkes jeden Tag mindestens eine neue Version eines Abendprogramms auf den Tisch, mit der Bitte um Korrekturlesung, bevor er sie durch den Kopierer jagt. Es ist jedes Mal aufs Neue interessant, was Ulf Brenken zu den ausgewählten Kompositionen schreibt und oft denke ich: „Mensch, was ist denn das wieder für ein geniales Konzert!“ Dann blättere ich weiter zu den Vitae der Künstler und frage mich, ob das wirklich noch Gipfelstürmer sind. Speziell beim Mariani Klavierquartett ist mir das in dieser Woche aufgefallen, vermutlich, da ich viele der anderen Künstler in dieser Woche persönlich kenne und dementsprechend schon eine ganz andere Beziehung zu ihnen habe.

Das Mariani Klavierquartett spielt erst seit knapp vier Jahren zusammen. Im März 2011 wurde das Klavierquartett im Finale des Deutschen Musikwettbewerbs mit einem Stipendium ausgezeichnet und in die Konzertreihe „Konzerte junger Künstler“ aufgenommen. Spätestens ab diesem Zeitpunkt wurde es zu den beiden größten deutschen Flächenfestivals in Deutschland, den renommierten Festspielen Mecklenburg-Vorpommern und dem Schleswig Holstein Musikfestival sowie den Ludwigsburger Schlossfestspielen eingeladen. Darüber hinaus gibt es tolle Konzertmitschnitte (einen davon hat uns das Management im Vorfeld zum Reinhören freundlicherweise zur Verfügung gestellt) von SWR, NDR und Deutschlandradio. Im September – leider ein bisschen zu spät für die Gezeitenkonzerte – erscheint ihre erste CD beim Label Genuin in Kooperation mit dem Deutschlandradio mit Werken von Martinů, Bridge und Schumann. Die Auflistung der Preise und Konzertorte aller einzelnen jungen Künstler liest sich beeindruckend – schauen Sie doch mal auf der neu gestalteten Homepage vorbei, bevor Sie sich für das letzte Konzert der Marianis in dieser Saison über unseren Ticketpartner ReserviX ihre Eintrittskarten sichern. Bestimmt bekommen Sie aber auch noch spontan welche an der Abendkasse ab 19:30 Uhr.

In dem morgigen Gezeitenkonzert in der interessanten Kirche zu Timmel treten sie um 20:00 Uhr als Gipfelstürmer auf. Unser Festival steht in diesem Jahr unter dem Motto „Entdeckungen“: Das kommt in diesem Fall gleich zweimal zum Tragen. Zu entdecken gilt es zum einen natürlich das Mariani Klavierquartett, bestehend aus Gerhard Vielhaber (Klavier), Philipp Bohnen (Violine), Barbara Buntrock (Viola) und Peter Philipp Staemmler (Violoncello). Dann haben auch sie eine Entdeckung in ihr Programm eingearbeitet. Obwohl: Das ist eigentlich nicht richtig. Denn im Prinzip ist jedes Programm mit jedem Künstler – wenn es dementsprechend gespielt ist – eine Entdeckung oder kann zumindest eine sein. In Timmel vereinen sie Mozart (Klavierquartett Nr. 1 g-Moll KV 478) mit Frank Bridge (Phantasy Piano Quartet fis-Moll H. 94) und Brahms (Klavierquartett Nr. 1 g-Moll op. 25). „Wer ist eigentlich dieser Frank Bridge?“, mag sich mancher fragen. Er war der Lehrer von Benjamin Britten, und als solcher blieb er in Erinnerung. Britten widmete ihm ein Werk für Streichorchester, die „Variations on a Theme of Frank Bridge“ als Huldigung in Zuneigung und Bewunderung. Frank Bridge kam 1879 als zehntes von zwölf Kindern in Brighton als Sohn eines Handwerkers auf die Welt. Dennoch studierte er Violine, Viola und Dirigieren und komponierte, dirigierte und unterrichtete, was das Zeug hält. Unter seinen rund zweihundert Werken finden sich ungehobene Schätze wie z. B. das Phantasy Piano Quartet fis-Moll H. 94 (H. steht für die Katalogisierung von Bridge’s Werken durch Paul Hindsmarsh im Jahr 1980) oder das etwas bekanntere Orchesterstück „The Sea“ (H. 100).

Persönlich freue ich mich auf das Klavierquartett von Brahms zum Schluss, auf das dessen Kompositionskollegen Schönberg und Joseph Joachim ein wenig neidisch waren, da es ihnen nicht gelungen war, ein solch opulentes Werk zu schreiben.

Und auf die Wanderung entlang der Timmeler Meere im Binnenland bin ich gespannt. Ich habe mir fest vorgenommen, wenigstens einen Streifzug in diesem Jahr mitzunehmen. Matthias Bergmann lädt zum Streifzug entlang des sagenumwobenen Frauenmeers zum ehemaligen Hilgenmeer ein und erzählt nebenbei, was eigentlich Pingos sind.

Mariani Klavierquartett, Foto: Fabian Stürtz
Mariani Klavierquartett, Foto: Fabian Stürtz

Gipfelstürmer auf Groothuser Warft

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Julian Arp (Cello) und Caspar Frantz (Klavier), Foto: Karlheinz Krämer
Julian Arp (Cello) und Caspar Frantz (Klavier), Foto: Karlheinz Krämer

Nachdem Caspar Frantz im letzten Jahr sein Debüt in Ostfriesland bei den deutsch-niederländischen Grenzkonzerten in Backemoor gegeben hat, kam er in diesem Jahr zusammen mit dem Cellisten Julian Arp zu den Gezeitenkonzerten wieder. Die beiden jungen Männer machen nun schon seit 15 Jahren zusammen Musik und haben sich bereits einige Preise erspielt. Vor kurzem ist ihre neueste CD “Time isn’t passing” erschienen, die uns bereits vor dem Auftritt in der Kirche zu Groothusen große Lust auf gerade dieses Gezeitenkonzert gemacht hat. Freitagabend gab das Duo Arp/Frantz also das erste von insgesamt sechs Gezeitenkonzerten, in denen die Gipfelstürmer zum Zuge kommen. Diese Bezeichnung verleitet manchen zum Schmunzeln, einige haben ein großes Fragezeichen im Hinterkopf ob der künstlerischen Qualität.
Caspar und Julian konnten diese Bedenken gleich mit dem ersten Stück zerstreuen. Zwei hochkonzentrierte, ausdrucksstarke und vor allem leidenschaftliche junge Musiker begannen mit Beethovens Sonate g-Moll für Klavier und Violoncello op. 5 Nr. 2. Es folgte ein Applaus, der – entgegen der Musik – deutlich draußen vor der Kirche zu hören war – ein Wahnsinn. Energiegeladen ging es weiter mit zwei Kurtág-Stücken, die beide nur wenige Minuten dauerten, dann aber äußerst geschickt mit der folgenden Sonate in D-Dur BWV 1028 von Bach verwoben wurden. Überhaupt war es eine spannende Auswahl von Stücken, die das ganze musikalische Können der beiden sympathischen Künstler zeigten. Es herrschte eine geradezu magische Atmosphäre in der wunderbaren Kirche, die das schlechte Wetter zumindest für den Moment vergessen ließ.

In der Pause wurden alle kurzfristig wieder vom ostfriesischen Sommer eingeholt, denn pünktlich zu deren Beginn setzte der Regen wieder ein, sodass unser gastronomisches Angebot durch die “Haasen” fast ins Wasser fiel. Glück hatten die Teilnehmer des Streifzuges durch die Osterburg Groothusen, einem tollen, geschichtsträchtigen Ort. Die Besitzerin Dorothea Kempe gewährte einen Blick ins Innere der letzten von ursprünglich drei Burgen und auf die berühmten goldledernen Tapeten, bevor die Besucher durch das denkmalgeschützte Gehölz im Park geleitet wurden.

Zum Abschluss gab es nach der Pause erneut zwei Werke von Kurtág, die danach in Brahms’ Sonate für Violoncello und Klavier Nr. 1 in e-Moll op. 38 mündeten. Erneut ließ sich das Publikum von Julian Arp am Cello und Caspar Frantz am Klavier mitreißen. Die beiden fühlten sch wiederum von den begeisterten und fachkundigen Zuhörern beflügelt. Nach der Zugabe, für die sie noch einmal alles gaben, inklusive eines Sprints zum Gemeindehaus um die Noten zu holen, gab es kein Halten mehr. Enorme Beifallsstürme erfüllten die die voll besetzte Kirche.

Duo Arp/Frantz, Foto: Karlheinz Krämer
Duo Arp/Frantz, Foto: Karlheinz Krämer

Bei den Gezeitenkonzerten 2013 treffen Junge Wilde auf nimmermüde Könner

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Matthias Kirschnereit mit dem Vorflyer der Gezeitenkonzerte, Foto: Karlheinz Krämer
Matthias Kirschnereit mit dem Vorflyer der Gezeitenkonzerte, Foto: Karlheinz Krämer

Gestern Abend war es soweit: Matthias Kirschnereit hat vor einem kleinen Kreis einen ersten Ausblick auf die Gezeitenkonzerte 2013 gegeben. Abgerundet hat er das durch mehrere musikalische Kostproben. Geladen waren die Förderer oder solche die es werden könnten, Vertreter der Städte und Gemeinden und natürlich der Ostfriesischen Landschaft sowie die Presse.
Vorgestellt wurden die dreißig Konzerte vom Faltblatt plus die beiden, die kurzfristig im Laufe der letzten Woche noch hinzugekommen sind, die neuen Spielorte, das Thema „Entdeckungen“ und vor allem natürlich die Künstler und ihre Programme, die von Matthias Kirschnereit sorgfältig ausgewählt wurden.

 

Matthias Kirschnereit, Foto: Karlheinz Krämer
Matthias Kirschnereit, Foto: Karlheinz Krämer

Zu fünf Uhr nachmittags hatte die Ostfriesische Landschaft eingeladen. Eröffnet wurde der Abend nach ein paar kurzen einführenden Worten von Landschaftspräsident Collmann durch Robert Schumanns „Von fremden Ländern und Menschen“ aus den Kinderszenen op. 15 gespielt vom künstlerischen Leiter. Es folgte der Schritt nach Ungarn mit Franz Schuberts „Ungarischer Melodie in h-Moll D 817“, bevor Matthias Kirschnereit das Wort ergriff und den Vorflyer aus seiner Tasche hervorzauberte. Er sei traurig, dass er auch 2013 nicht bei allen Konzerten anwesend sein könne, da sämtliche Gezeitenkonzerte seiner Meinung nach so interessant seien, dass er eigentlich keins davon verpassen möchte, so der künstlerische Leiter. Und das Programm ist wirklich vielfältig geworden. Begonnen wird mit zwei hochkarätigen Streichquartetten, dem Verdi Quartett und dem Vogler Quartett, die als krönenden Abschluss des Eröffnungskonzertes das Oktett für Streicher Es-Dur op. 20 von Mendelssohn darbieten, bevor sie am Tag drauf beide gemeinsam mit Matthias Kirschnereit als Quintett spielen. Dass dabei dann noch im Verdi-Jahr das einzige Streichquartett gespielt wird, aber auch Entdeckungen von Schulhoff und – meiner persönlichen Entdeckung des letzten Jahres – Mieczysław Weinberg, ließ er dabei nicht unter den Tisch fallen. Danach geht es weiter mit dem Ausnahmepianisten Lars Vogt, der in diesem Jahr mit seiner Partnerin und Bratschistin Rachel Roberts auftritt.

Kurzfristig ist uns leider die tolle Bigband Maiden Voyage auf dem Weg abhanden gekommen. Es ist nicht immer einfach rund sechzig Musiker unter einen Hut zu bekommen. Ursprünglich war geplant, dass die Bigband zusammen mit dem mehrfach preisgekrönten Kammerchor Vocalisti Rostochienses von Dagmar Gatz auftreten sollte. Dafür eine geeignete Spielstätte zu finden, gestaltete sich schwierig. Und als es endlich so weit war, passte der Termin der wichtigsten Person der Band nicht mehr. Auf Benny Köthe wollte Matthias Kirschnereit jedoch nicht verzichten, obgleich er Ersatz vorgeschlagen hatte. So wird der Chor nun durch ihn selbst verstärkt, was vielleicht nicht nötig, aber dennoch eine Bereicherung ist. Gefolgt wird dieses Gezeitenkonzert vom Erlebnistag im Ostfriesischen Landwirtschaftsmuseum Campen, wo in diesem Jahr das Bremer Figurentheater „Mensch, Puppe!“ in Zusammenarbeit mit den Nekkepenns zwei musikalische Märchen-Programme aufführt. Dazwischen gibt es wieder Workshops für die Kinder, deren Ergebnisse im zweiten Bühnenprogramm zu sehen und zu erleben sind. Um hier nicht gleich alles vorweg zu nehmen – auf alle Gezeitenkonzerte wird hier noch ausführlich eingegangen, kürze ich hier ein wenig ab.

Als besondere Entdeckungen – ganz ohne Thema – haben sich im letzten Jahr die Gipfelstürmer erwiesen. Konnte sich anfangs nicht jeder etwas darunter vorstellen, haben doch gerade diese jungen, aufstrebenden Talente viele Gäste in ihren Bann gezogen. Da sind sich der künstlerische Leiter und das Team der Gezeitenkonzerte sicher: Das wird auch in diesem Jahr gelingen. Caspar Frantz und Julian Arp machen im neuen Gezeitenspielort Kirche Groothusen den Auftakt, gefolgt vom Mariani Klavierquartett in ebenfalls – für uns – neuen Kirche in Timmel, der Joseph Joachim Violinwettbewerbsgewinnerin Alexandra Conunova-Dumortier zusammen mit der energiegeladenen Pianistin Lilit Grigoryan, dem Rheingold Trio und Janka Simowitsch. Den Abschluss der Gipfelstürmer gibt das famose SIGNUM Saxophonquartett im Alten Kurhaus Dangast.
Junge Talente, ob Gipfelstürmer oder Julian Steckel, der als Erster Preisträger des ARD-Wettbewerbs nicht mehr so richtig in diese Kategorie fällt, aber dennoch so jung und aufstrebend ist, wechseln sich mit den arrivierten Künstlern wie Sharon Kam, Christian Tetzlaff oder Ingolf Turban ab. Ein sehr spezielles Konzert gibt es in der Emder Kunsthalle, wo Jörg Widmann nicht nur als Komponist, sondern auch als Klarinettist in Erscheinung tritt und zusätzlich noch ein paar erklärende Worte zu seinen Werken sagt. Dort spielt er zusammen mit dem jungen Neophon Ensemble von Konstantin Heuer.

Gleich fünf Orchesterkonzerte finden sich 2013 im Programm der Gezeitenkonzerte. Dank unseres Hauptförderers Statoil kommt das junge norwegische Ensemble Allegria für gleich zwei Konzerte nach Ostfriesland. Erst im Herbst 2012 wurden die rund zwanzig Musiker im Alter zwischen zwanzig und sechsundzwanzig Jahren vom norwegischen Mutterkonzern als Heroes of Tomorrow (HoT-Talente) ausgezeichnet und stehen somit in einer Reihe mit der Trompeterin Tine Thing Helseth, den Violinistinnen Eldbjørg Hemsing und Vilde Frang oder den Pianisten Christian Ihle Hadland und Leif Ove Andsnes. Das niederländische Haydn Jeugd Strijkorkest gestaltet in der tollen Georgskirche in Weener ein Konzert gemeinsam mit dem ausgezeichneten Puchheimer Jugendkammerorchester. Ingolf Turban spielt zusammen mit der Academy of Taiwan Strings und die Kammerakademie Potsdam setzt den krönenden Schlusspunkt am 11. August in der Johannes a Lasco Bibliothek in Emden.

Zwei Jazzkonzerte, die nicht nur die Kenner erfreuen werden, mit dem Julia Hülsmann Quartett in Aschendorf und dem Ulrich Drechsler Trio auf Gut Horn in Gristede runden das musikalische Angebot im Sommer auf der Ostfriesischen Halbinsel ab.

So sollte für fast jeden Musikliebhaber etwas dabei sein: Matthias Kirschnereit und das Team der Gezeitenkonzerte freuen sich auf neugierige Konzertgäste und ein spannendes Programm mit faszinierenden Künstlern.

Die Gäste waren sich bereits in der Pause einig, dass es ein sehr intensiver Konzertsommer für sie wird.

Nach Hause entließ sie Matthias Kirschnereit nach einem musikalischen Bogen über Italien mit Ginasteras Finale aus der 1. Klaviersonate op. 22 „Ruvido ed ostinato“ und Russland (Rachmaninoffs Prélude gis-Moll op. 32/12 und dem fulminanten Schlusspunkt mit Debussys wunderbarem Mouvement.

Publikum bei der Vorstellung der Gezeitenkonzerte 2013, Foto: Karlheinz Krämer
Publikum bei der Vorstellung der Gezeitenkonzerte 2013, Foto: Karlheinz Krämer

Etwas Neues von den Gipfelstürmern

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Isang Enders und Andreas Hering (c) Hans-Ludwig Böhme

Fest vorgenommen hatte ich mir, die Entwicklung unserer “Gipfelstürmer” aufmerksam zu verfolgen. Heute Vormittag bin ich in diesem Zusammenhang über eine CD-Vorstellung von Michael Ernst bei nmz online gestolpert: „Mit Myrten und Rosen“ ist der verheißungsvolle Titel. Auch Elisabeth Richter vom NDR hat am 14. September eine wirklich nette Besprechung über diese CD gemacht.

Isang Enders und Andreas Hering, die gemeinsam das vierte von sechs Gipfelstürmerkonzerten in der Deichkirche in Carolinensiel bestritten haben, hätten am liebsten am 20. Juli schon ihre CD „Mit Myrten und Rosen“ im Gepäck für ihren Auftritt in Ostfriesland gehabt. Leider hat das nicht geklappt. Stattdessen war bereits vor Fahrtantritt Isangs Blackberry von einem LKW zermalmt worden, die Fahrt dauerte länger als geplant: nicht unbedingt gute Voraussetzungen für ein entspanntes Konzert. Glücklicherweise hat ihnen unser Team einen warmen Empfang mit von nun an guten Bedingungen bereitet, sodass es trotzdem ein tolles Konzert wurde, das mich persönlich sehr beeindruckt hat (s. Blogpost vom 21. Juli). Andreas schrieb danach ins Gästebuch: „Was könnte für einen Hering schöner sein als an der Nordsee zu spielen??? Danke für einen tollen Abend; Andreas Hering“. Und Isang ergänzte: „Auch ohne Telefon haben wir den Weg doch gefunden. Vielen Dank für Eure Hilfe und treue Gäste!“

In Carolinensiel haben sie die Werke von der nun erschienenen CD gespielt; im Wesentlichen Werke von Schumann, gepaart mit zwei Stücken des eher unbekannten koreanischen Komponisten und Namensgeber von Isang Enders, Isang Yun. Natürlich fehlte das Titelstück „Mit Myrten und Rosen“ op. 24 Nr. 9 von Schumann nicht bei dieser gewagten, aber spannenden Kombination. Ich freue mich, dass die CD nun endlich auf dem Markt ist und könnte mir vorstellen, dass einige der Besucher dieses Gezeitenkonzertes beim Hören an Isangs lockere Moderation denken und in Erinnerung an einen schönen Abend schwelgen werden.

Wir bedanken uns bei unseren Festivalförderern