Gezeiten-TV | Titelshooting 2017 “Sturm und Klang”

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Titelshooting im Watt mit Verena Metzger, Philipp Wollheim und Raphael Paratore für die Gezeitenkonzerte 2017

Ostfriesische Sommer haben so ihre Tücken. Vor allem dann, wenn man für die Gezeitenkonzerte im Watt ein Titelshooting machen möchte. Die Gezeiten haben glücklicherweise mitgespielt, aber es war eiskalt und – wie fast immer an der Küste – stürmisch. Dank der zwei Paar geliehenen Gummistiefel aus dem Alten Kurhaus für Verena Metzger und Raphael Paratore war es zumindest für die beiden erträglicher. Barfuß ins Watt musste Philipp Wollheim. Und dennoch hat es ihnen sichtlich Spaß gemacht, und wir sind den drei tollen Gipfelstürmern und TONALi-Künstlern sehr dankbar fürs Mitmachen und Karlheinz Krämer für die tollen Aufnahmen: Bei den Gezeitenkonzerten wird noch richtig gelitten, bis alles endlich im Kasten ist. Das endgültige Titelmotiv 2017 unter dem Titel „Sturm und Klang“ folgt in Kürze.

Das Team der Gezeitenkonzerte wünscht Ihnen mit diesen „Outtakes“ ein frohes und friedvolles Weihnachtsfest. Zugleich wollen wir natürlich Lust machen auf die Gezeitenkonzerte 2017 und wünschen Ihnen ein schönes, gesundes und natürlich musikalisches neues Jahr!

Advent, Advent …

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Schöne Bescherung ...
Schöne Bescherung …

Heute ist schon Nikolaus. Weihnachten nähert sich mit großen Schritten. Am 1. Dezember hatten wir das Vergnügen, uns zusammen mit der Kunsthalle Emden hinter dem ersten Türchen des Adventskalenders unseres Medienpartners NDR Kultur zu verbergen. Wir freuen uns auf den Besuch der Gewinnerin aus Schleswig-Holstein, die in Begleitung an unserem Auftaktkonzert unserer Gezeitenkonzerte am 23. Juni 2017 in der Johannes a Lasco Bibliothek Emden teilnehmen wird. Im Vorfeld gibt es natürlich noch einen schönen Streifzug in der Seehafenstadt. Abends werden dann Musikerinnen und Musiker der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, u. a. die Fagottistin Rie Koyama zusammen mit dem künstlerischen Leiter, Matthias Kirschnereit, das Schubert Oktett sowie das Dvorák-Oktett in der magischen ehemaligen Moederkerk zu Gehör bringen. Damit ist der Besuch der Gewinnerin aber noch nicht zu Ende: Am Folgetag geht es nach einer Hotelübernachtung mit einer persönlichen Führung durch die Ausstellung „Your Story. Geschichten von Flucht und Migration“, die im Rahmen des Reformationsjahres in der Kunsthalle Emden stattfindet. Zur Erinnerung gibt es den Bestandskatalog, mit dem es am Sonntag zurück in den „noch höheren Norden“ geht. Übrigens gibt es nicht nur ein Türchen. Morgens um 07:40 Uhr werden bis zum 24. Dezember noch weitere geöffnet. Und hinter jedem verbirgt sich etwas Schönes!

Kleine Vorschau →Weiterlesen… “Advent, Advent …”

“Wenn jemand eine Reise tut…”

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“Wenn jemand eine Reise tut…”
oder: Musikland Niedersachsen Jahreskonferenz reduced

Jährlich lädt Musikland Niedersachsen alle Akteure, deren Arbeit und Leben sich um die Musik drehen, zu einer Jahreskonferenz ein. In diesem Jahr fand sie erneut im November wieder im Pavillon Hannover statt. Auf dem straff durchstrukturierten Programm zum Thema „Vielfalt, die ankommt“ standen zahlreiche Angebote, aus denen sich die Teilnehmenden ihren Interessen entsprechend wählen konnten. Aber bis es soweit war, mussten noch einige Hürden überwunden werden…

Anfahrtschwierigkeiten

Witterungsbedingte Zugausfälle: Der Schnee kommt immer so plötzlich!
Witterungsbedingte Zugausfälle: Der Schnee kommt immer so plötzlich!

Glücklicherweise konnten die beiden Teilnehmenden der Gezeitenkonzerte statt in Ostfriesland in Oldenburg in den Zug steigen. Der stand sogar schon parat. Nach kurzer Fahrt kam bereits die erste Durchsage, dass die Gäste, die geplant hatten, in Bremen in den schnelleren ICE umzusteigen, bitte sitzen bleiben mögen, da dieser erst ab Hannover im Einsatz sei. Gut, dann ist man eben nicht ganz pünktlich im Pavillon. Der Kaffee fällt schon einmal aus. In Delmenhorst verhinderte eine „Türstörung“ die Weiterfahrt. Interessant fand ich, dass die entsprechenden Zettel (schön auf Klebefolie aufgezogen, richtig professionell) bereits vorbereitet waren. Hier waren es dann schon etwa 15 Minuten Verspätung. Diejenigen, die mit den ICE nach München fahren wollten (eine Dame war in Varel gestartet), wurden langsam nervös, ob sie diesen zumindest in Hannover noch erreichen würden. Der Zugbegleiter war sehr freundlich und erkundigte sich hilfsbereit. Als er den ICE nach 14 Uhr als Option erwähnte, wurden einige blass. In Nienburg gab es „aufgrund der extremen Witterungsbedingungen“ eine halbstündige Wartezeit. „Wir bitten um Verständnis!“ Tatsächlich waren ab Bremen die ersten Schneeflocken erkennbar gewesen. →Weiterlesen… ““Wenn jemand eine Reise tut…””

Wasserstandsmeldung Gezeiten 4.11.

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Dirk Lübben, Matthias Kirschnereit und Ulf Brenken beim Brainstorming
Dirk Lübben, Matthias Kirschnereit und Ulf Brenken beim Brainstorming

Auch wenn hier im Gezeitenblog in letzter Zeit nicht viel passiert ist, haben wir im Büro und im Homeoffice fleißig am Programm für die Gezeitenkonzerte 2017 gestrickt. Es folgt die aktuelle Wasserstandsmeldung vom 4.11.2016: Wir haben ein Motto gefunden, viele Künstler sind schon angefragt, die meisten haben Termine stehen fest, die Programme trudeln ein. Nur verraten wird noch nichts. Die Förderanträge bei den Stiftungen etc., die mit Fristen versehen sind, wurden gestellt. Derzeit fragen wir die einzelnen Konzertförderer an und halten Ausschau nach neuen Orten, bzw. ordnen den bewährten die passenden Künstler zu und fragen Termine an. Das ist jedes Jahr ein kniffliges Puzzle-Spiel, was jeden von uns kurzfristig zum Verzweifeln bringt, wenn mal wieder gerade irgendetwas nicht passt. Am Schlimmsten ist es, wenn Künstler zwar großes Interesse haben, es aber terminlich nicht passt. Das ist dann wirklich jammerschade.
Auf dem Artikelfoto – entstanden übrigens bereits an einem lauen Septembertag in Hamburg – sieht man Dirk Lübben (organisatorischer Leiter). Ulf Brenken (Programmheftautor) und Matthias Kirschnereit (künstlerischer Leiter), die über den verschiedenen Optionen brüten. Allein die Findung des Mottos bedurfte lange Überlegungen. Letztendlich sind wir durch Blödeln im Zug auf den auf offene Ohren stoßenden Vorschlag gekommen, auf den sich alle einigen konnten. Auf jeden Fall passt es zu den Gezeitenkonzerten und vor allem auch zum Titelmotiv 2017.
Soviel zum aktuellen Wasserstand: Lassen Sie sich überraschen. Es bleibt spannend!

Das Ende eines Sommers

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Hilko und Mohammed: eigentlich oft einer Meinung, auch wenn es hier gerade nicht so aussehen mag.
Hilko und Mohammed: eigentlich oft einer Meinung, auch wenn es hier gerade nicht so aussehen mag.

Was für ein Sommer. War ich es doch als gequälter, ständig überlasteter Schüler mit bis zu 25 Wochenstunden gewöhnt, zwischen Juni und August auf der faulen Haut oder am Strand zu liegen, tauschte ich dieses Jahr den Liegestuhl gegen eine Kirchenbank. Manchmal gibt’s da wenigstens Fußablagen. Zu den einzelnen Konzerten konnten Sie ja schon meine Blogeinträge lesen. Doch es gibt so viel mehr zu entdecken. Die Formulierung „Was für ein Sommer“ wird den Gezeitenkonzerten in keiner Weise gerecht. Gerade in diesem Moment arbeiten meine Kollegen schon wieder für das nächste Jahr, während ich mich noch vier Wochen regenerieren darf. So war es auch im letzten Jahr. Meine Tätigkeit für die Ostfriesische Landschaft begann bereits am ersten September 2016, im 2. Stock des großen Altbaus als Mitglied der Kulturagentur. Es war sehr früh morgens, und vor mir tat sich eine ganze Kolonie an böhmischen Dörfern auf: Kulturtourismus, Kulturmanagement, Netzwerk, Arbeitskreis, Kulturausschuss…“ Das klang alles ungeheuer wichtig, aber so ganz verstanden hatte ich es nicht. Meinem Mitstreiter, Schülerpraktikant Marvin, ging es ähnlich. Bis 10:00 Uhr versuchten wir unsere Gedanken zu ordnen. Eine kleine Völkerwanderung riss mich aus meinen Gedanken. Feueralarm?! Dazu liefen sie alle zu gemütlich. Außerdem nimmt man dann nicht unbedingt seine Thermoskanne und eine Brotbox mit. →Weiterlesen… “Das Ende eines Sommers”

Was sonst noch so war

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Pleiten, Pech und Pannen 2016

Das Team der Gezeitenkonzerte 2016 (es fehlen Uwe Pape, Berit Sohn, Franz Hofmann, Janne Wohlberg und Mohamme Khier Alabdul Razzaq), Foto: Reinhard Former
Das Team der Gezeitenkonzerte 2016 (es fehlen Uwe Pape, Berit Sohn, Franz Hofmann, Janne Wohlberg und Mohammed Khier Alabdul Razzaq), Foto: Reinhard Former

Während der Gezeitenkonzerte passieren naturgemäß viele Dinge, die dem Besucher nach Möglichkeit nicht auffallen sollen. Sei es der Einlauf des Chefs, weil man bei herbstlichen Temperaturen am Einlass nicht auf sein Jäckchen verzichten möchte und deshalb nicht eindeutig anhand des Gezeiten-Poloshirts als Teammitglied erkennbar ist oder vergessene Abendprogramme, aufgrund derer auf halber Strecke noch einmal umgedreht werden muss. Zum Schmunzeln wollen wir diese kleinen Pannen doch noch einmal Revue passieren lassen. →Weiterlesen… “Was sonst noch so war”

Gezeiten-TV: Flashmob in Dangast

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Im Rahmen des internationalen SPREAD-Projektes (Skills, Practise and Recruitment of European Musicians for tomorrow. Audience Development in classical music.), das aus dem Creative Europe Programm der Europäischen Union (Projekt Nr. 2015-1148/001-001) gefördert wird, galt ein besonderer Augenmerk dem Part “Audience Development”, also der Zuhörergewinnung. Dafür sind wir mit vier Teilnehmern der Gustav Mahler Akademie Bozen vor dem Gezeitenkonzert in Sengwarden nach Dangast direkt an den Deich vorm Weltnaturerbeportal Wattenmeer gefahren. Dort haben sie aus einem Strandkorb heraus mal eben den Pachelbel-Kanon aus dem Handgelenk geschüttelt, während wir Programme verteilt haben. Im Gezeiten-TV-Beitrag sieht man nicht nur Bilder vom Flashmob, sondern gleich den Rundumschlag mit den beiden Konzerten in Sengwarden und Marienhafe, an denen auch Mitglieder der English Baroque Soloists beteiligt waren, sowie Zuschauermeinungen. Viel Spaß!

Short Ride in a Fast Machine

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Das Abschlusskonzert mit der JPON in Bunderhee

Prélude

Zur Einstimmung auf das Gezeitenkonzert gab es für die JPON erst einmal PIZZA! Foto: Karlheinz Krämer
Zur Einstimmung auf das Gezeitenkonzert gab es für die JPON erst einmal PIZZA! Foto: Karlheinz Krämer

Alles ist einige Nummern größer: Der Weg vom ersten Kartencheck bis zur Konzert-Reithalle – mehrere hundert Meter. Das Interesse am Streifzug um 14:30 Uhr (Gestütsführung mit Präsentation Friesenpferde) – 120 Menschen. Zahlenmäßig etwa ebenso viele wie Mitglieder des Jungen Philharmonischen Orchesters Niedersachsen (JPON). Anzahl der vom Orchester bestellten und in mehreren unhandlichen Kartons vom Pizzaservice angelieferten großen Mafiatorten für das JPON nach der Einspielprobe – schätzungsweise 40. Zuhörer des Abschlusskonzertes in Bunderhee um 17:00 Uhr – knapp 1.400 = neuer Besucherrekord für eine Einzelveranstaltung der Gezeitenkonzerte! →Weiterlesen… “Short Ride in a Fast Machine”

Niemals geht man so ganz…

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Schon vor 14:00 Uhr waren die ersten Gäste auf dem Polderhof, Foto: Karlheinz Krämer
Schon vor 14:00 Uhr waren die ersten Gäste auf dem Polderhof, Foto: Karlheinz Krämer

Here it is: Mein letzter Blogeintrag für dieses Jahr. Das phänomenale Schlusskonzert der Gezeitenkonzerte übertraf die kühnsten SommerNachtsTräume aller Besucher. Kammermusik ist zwar schön und gut, aber dieses Konzert war einfach geil. Normalerweise benutze ich dieses Wort nie, das ist eine der höchsten Auszeichnungen, die ich kenne. Dabei waren wir vorher alle ganz schön nervös: So ein Abschlusskonzert ist eine große logistische Herausforderung. Das wunderschöne Friesenpferdegestüt des Gastgebers Helmuth Brümmer ist sehr weitläufig und kann von vielen Seiten gestürmt werden. Die Kartenkontrolle ist bei 1.400 Gästen auch nicht ganz so einfach, dann müssen alle pünktlich und unfallfrei durch zwei mittelgroße Eingänge in den Saal, dann gibt es vorbestellte Karten und und und… →Weiterlesen… “Niemals geht man so ganz…”

Fenster, Türen, Wintergärten

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Klaviertrio-Konzert bei Pollmann & Renken in Aurich-Schirum

Meenke Pollmann bei der Begrüßung zum vorletzten Gezeitenkonzert
Meenke Pollmann bei der Begrüßung zum vorletzten Gezeitenkonzert

Ein weiterer, besonderer Spielort der Gezeitenkonzerte tat sich vor mir auf, als ich im Team-Bully auf das Betriebsgelände im Gewerbegebiet etwas südlich von Aurich gefahren wurde. Pollmann & Renken – eine Firma, die sich mit dem Verkauf von Fenstern, Türen und Wintergärten beschäftigt und dafür ein eigenes Gebäude mit entsprechend viel Ausstellungsfläche belegt. Für unser Konzert, das vorletzte der diesjährigen Festspielsaison, wurden Ausstellungsflächen frei geräumt und die Fläche bestuhlt, zum zweiten Mal nach 2014. Zweihundert Besucher fanden Platz, auch auf der Galerie wurde eine Stuhlreihe eingerichtet. Die Einspielprobe der drei Musiker ließ bei „trockener“ Akustik (Nachhall: quasi nicht messbar) einen musikalisch aufregenden Abend erwarten. Schöne und kurze Begrüßungsreden von Firmeninhaber Meenke Pollmann und Landschaftspräsident Rico Mecklenburg, dann begann die Musik.

Fenster

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Lilit Grigoryan im intensiven Zusammenspiel mit Andrei Ioniţă, Foto: Karlheinz Krämer

Sergej Rachmaninoff schrieb sein erstes, einsätziges Klaviertrio (in g-Moll, „Trio élégiaque“) 1892, also ein Jahr vor dem Tod von Peter Tschaikowsky. Wie sehr er den Mentor schätzte, ließ er der Nachwelt im Folgejahr wissen, als er dann zu seinen Ehren sein großes, zweites Klaviertrio komponierte. Das erste enthält tatsächlich noch mehr Reminiszenzen an Tschaikowskys Musik, als ich beim bisherigen Hören wahrgenommen hatte. Motive aus der fünften Sinfonie schimmern durch, andere Floskeln sind einfach nur typisch – als ob sich ein Fenster zu Tschaikowskys Musikwelt geöffnet hätte. Dass es sich um ein (opuszahlfreies) Frühwerk handelt, merkt man an der unausgeglichenen Aufteilung der drei Instrumente, denn es kam immer wieder zu Episoden, die wahlweise einer Violin- oder einer Cellosonate gut zu Gesicht gestanden hätten. Ein wirkliches Klaviertrio ist das „Trio élégiaque“ noch nicht – vielleicht blieb es auch deshalb ein einsätziger Versuch. →Weiterlesen… “Fenster, Türen, Wintergärten”

Kalinka, Kalinka!

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Alexandra Conunova (Violine), Andrei Ioniță (Violoncello) und Lilit Grigoryan (Klavier) in Aurich-Schirum

Alexandra Conunova, Lilit Grigoryan und Andrei Ioniță
Alexandra Conunova, Lilit Grigoryan und Andrei Ioniță

Vor dem großen Showdown am 14.08. (heute!!) begeben sich die Gezeitenkonzerte noch einmal back to the roots: Kammermusik an ungewöhnlichen Spielorten. Gestern waren wir in der Ausstellung der Firma Pollmann & Renken zu Gast. Der Raum war für ein Klaviertrio ideal: groß und sehr tragfähig, selbst oben kam noch alles super an. Wenn man sich stinkende Scheinwerfer (allerdings von uns) vor der eigenen Nase wegdenkt, ist es richtig heimelig-angenehm und man hat an den vielen Türen einiges zu gucken. →Weiterlesen… “Kalinka, Kalinka!”

Sturmflut in Dangast

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Die Gipfelstürmer Philipp Wollheim (Violine), Raphael Paratore (Violoncello) und Verena Metzger (Klavier) fluten das Kurhaus Dangast mit Musik

Philipp Wollheim, Verena Metzger und Raphael Paratore beim Gezeitenkonzert in Dangast, Foto: Karlheinz Krämer
Philipp Wollheim, Verena Metzger und Raphael Paratore beim Gezeitenkonzert in Dangast, Foto: Karlheinz Krämer

Und schon wieder ein runder Geburtstag, wie schnell man doch alt wird: Konzert 30 im alten Kurhaus in Dangast. Ein außergewöhnlich schöner Spielort, denn das Kurhaus ist direkt am Meer gelegen. Auch das konstant schlechte Wetter hatte gestern seinen ganz eigenen Charme und lud trotzdem zu Strandspaziergängen ein. Ab 20:00 Uhr machte ich es mir auf einem der Hörplätze gemütlich, in einem kleinen Seitenschiff (Wir waren zu lange in Kirchen!) des Konzertraums, der ebenfalls sehr gemütlich war. Mit Stammtisch-Feeling begann das Konzert mit meinem Highlight der ersten Hälfte, Schostakowitschs erstem Klaviertrio, was er im zarten Alter von 17 Jahren für eine junge Angebetete schrieb, die seine Gefühle später sogar erwiderte. Komponist müsste man sein… Auch wenn dieses Stück laut Programmheft noch recht „romantisiert“ ist, musste ich sofort an Schostakowitsch denken. Solche Phrasen, gerade in der Violine, muss man sonst lange suchen. Gerade die schnellen Aufwärtsläufe weckten die Aufmerksamkeit und brachten mich so richtig in Konzertstimmung. Von meinem Hörplatz aus konnte ich immer mal einen Streicherkopf wippen und wackeln sehen. →Weiterlesen… “Sturmflut in Dangast”

Romantische Raritäten in Remels

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Nils Mönkemeyer und William Youn in Remels

Nils Mönkemeyer und William Youn beim Gezeitenkonzert in Remels, Foto: Karlheinz Krämer
Nils Mönkemeyer und William Youn beim Gezeitenkonzert in Remels, Foto: Karlheinz Krämer

Wenn mir an einer roten Ampel langweilig ist, zappe ich gerne mal durchs Radio. Heute morgen blieb ich aus Versehen bei einem Schlagersänger hängen: „Die Zeit macht nur vor dem Teufel halt“ schmetterte Barry Ryan in meine müden Ohren. Beim Blick in den PC wurde bewusst, wie recht er doch hat: Das nächste Konzert ist schon die Nummer 30 in Dangast, sogar Nils Mönkemeyer und Daniel Hope waren schon da. Dieses Jahr nehmen die Gezeitenkonzerte einen tollen Endspurt, alle noch kommenden Konzerte sind ausverkauft. So auch das vergangene am Sonntag mit Nils Mönkemeyer und William Youn.

Uns erwartete ein reines Schumann-Brahms-Programm für den frühen Abend. Los ging es mit Schumanns Phantasiestücken für Klarinette und Klavier, heute in der Viola-Fassung. Schumann war dabei in seiner Instrumentation völlig wahllos, es gibt auch eine Geigen- und Cellovariante. Auch die herkömmlichen Satzbezeichnungen schienen dem Romantiker nicht mehr auszureichen: „Zart und mit Ausdruck – Lebhaft leicht – Rasch und mit Feuer“. Klare Ansagen für unser Duo. Die beiden spielten mit viel Leidenschaft und gut aufeinander abgestimmt, auch ohne sich anzusehen. Zwischenzeitlich hatte ich den Eindruck, dass die Bratsche dahinschmelzen könnte, so trieft diese Musik. Auch der Presto-Teil endet romantisch-verklärt. Ganz hinten klang das Klavier ein wenig verschwommen, die Klänge waren nicht immer auseinanderzuhalten. →Weiterlesen… “Romantische Raritäten in Remels”

Sonata Tussis

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Teilnehmer der Gustav Mahler Akademie Bozen und Mitglieder der Englisch Baroque Soloists in Marienhafe mit Bach pur II

Alison Bury, Konstanze Glander, Carolin Krüger, Diego Aceña Moreno, Heidi Rahkonen und Fabio Fausone
Alison Bury, Konstanze Glander, Carolin Krüger, Diego Aceña Moreno, Heidi Rahkonen und Fabio Fausone

Es ist ja immer so eine Sache mit den Wiederholungskonzerten: Schon bei der Langen Nacht hatte ich das Gefühl, dass eigentlich nach einem Blogbeitrag alles erzählt ist. Im Vorfeld des Gezeiten-SPREAD-Konzertes in der Kirche Marienhafe hatte ich ein bisschen Angst, bei einem Zweizeiler bleiben zu müssen. Doch ein Blick ins Programmheft ließ mich ruhiger schlafen, denn wir hatten ein komplett anderes Programm und auch eine ganz andere Kirche. Angenehm warm war es nach einigen Stunden im ostfriesisch-arktischen Sommerwind.

Begonnen wurde wieder mit einer Triosonate, deren Echtheit zweifelhaft ist. Von wegen „Bach pur“. Sie wird tatsächlich Bachs Schüler Goldberg zugeschrieben. Das Programm sagt „für Goldberg etwas zu gut, für Bach etwas zu schwach“. Ich möchte mich da nicht aus dem Fenster lehnen, ich bin auch nicht gerade der hellste Stern am Generalbass-Himmel. Aber irgendwie fehlte dieser Sonate etwas neues, das gewisse Etwas, das man bei Bach immer hört. Obgleich gut vorgetragen, war es eben „nur“ eine normale viersätzige Sonate nach dem Muster langsam-schnell-langsam-schnell. Angenehm überrascht war ich von der Akustik der etwas kleineren Kirche. Wir saßen wieder mal auf den Mitarbeiter-Plätzen, also ganz hinten. Schön ist immer die relativ freie Sicht durch den Mittelgang, nicht so schön ist, dass die Klänge oft verschwimmen. Gerade beim Cembalo. Doch in Marienhafe kam alles glasklar rüber. Diese kammermusikfreundliche Kirche überträgt leider auch andere Geräusche lupenrein. An dieser Stelle sei nochmal darauf hingewiesen, dass die Ricola-Bonbons von uns auch wirklich umsonst sind und wir gar nicht alle essen können, die wir noch haben. →Weiterlesen… “Sonata Tussis”

I´ll be Bach.

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Teilnehmer der Gustav Mahler Akademie Bozen und Mitglieder der Englisch Baroque Soloists in Sengwarden mit Bach pur I

Oliver John Ruthven (Cembalo), Konstanze Glander (Violine), Fabio Fausone (Cello) und Julian Scott (Oboe), Foto: Karlheinz Krämer
Oliver John Ruthven (Cembalo), Konstanze Glander (Violine), Fabio Fausone (Cello) und Julian Scott (Oboe), Foto: Karlheinz Krämer

Besonders dankbar bin ich immer für einige konzertfreie Tage im Festival, nicht nur um mich physisch auszuruhen, sondern auch um das Gehörte noch einmal nachwirken zu lassen. Nach dem grandiosen Konzert in Aurich gestern hatten die Stipendiaten der Gustav-Mahler-Akademie natürlich einen etwas erschwerten Stand. Auch das reine Bach-Programm ist sicher gewöhnungsbedürftig. Eigentlich schließe ich mich der allgemeingültigen Meinung an, dass er der größte Komponist aller Zeiten ist. Da wird gerne Robert Schumann zitiert: „Wir sind alle Stümper gegen ihn!“.

Aber es hilft ja nichts. In der ausverkauften Kirche Sengwarden war für mich noch Platz in der letzten Reihe in der Ecke. Aufgrund eines großen Herrn etwas vor mir fiel der auch eher in die Kategorie „Hörplatz“. Doch warum nicht? Denn beim Hören bemerkt man schnell: Die haben was drauf. Los ging es mit einer Trio-Sonate des alten Meisters in G-Dur, von der die Echtheit zweifelhaft ist. Was soll das denn heißen? Das Programmheft gibt darüber erfreulicherweise Auskunft:  Es wurde eine bereits existierende Basslinie verwendet, die Bach oder ein Bach-Sohn, da ist man sich nicht sicher, kontrapunktisch ausgearbeitet hat. Ulf Brenken zitiert hier einen wohlwollenden Musikwissenschaftler mit „Arbeitsökonomie“. Haben wir es etwa mit dem Dieter Bohlen des Barock zu tun? →Weiterlesen… “I´ll be Bach.”

Keep calm and listen to Daniel Hope

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Daniel Hope und Sebastian Knauer spielten vor 650 Gästen ihr Gezeitenkonzert "YehudiMenuhin@100"
Daniel Hope und Sebastian Knauer spielten vor 650 Gästen ihr Gezeitenkonzert “YehudiMenuhin@100”

Hallo, ich lebe auch noch! Die letzte Gezeiten-Woche musste ich leider auslassen, da ich mit dem Landesjugendchor Niedersachsen unsere Konzerte im September bei den Nds. Musiktagen vorbereitet habe. Nach einer Woche im Kloster Michaelstein (Blankenburg) und der Landesmusikakademie in Wolfenbüttel kam ich etwas hungrig (in Sachsen-Anhalt sind die Kartoffeln rationalisiert) und mit kreiselnden Ohrwürmern von Rautavaara, Monteverdi und Vaughan Williams zurück.

Auf mich wartete mein persönlicher Höhepunkt in diesem Jahr: Daniel Hope, hier bei uns in Ostfriesland. Kaum ein Gezeitenkonzert war so signifikant mit einem Namen im Vorverkauf verbunden: Werden die Konzerte oftmals „Leer“ oder ganz verwirrend „Christuskirche“ genannt, hieß dieses Konzert nur „Daniel Hope“ Für den bin ich vor zwei Jahren nach Groningen gefahren, es war ein unvergesslicher Abend. Korngolds Violinkonzert in der ersten Konzerthälfte, gefolgt von Brahms´ dritter Symphonie mit dem wunderbaren Noord Nederlansk Orkest. Die verhauene Matheklausur am Tag danach und die drei Stunden Heimfahrt wegen einer gesperrten Autobahn nimmt man da doch gerne in Kauf.

Gestern war unsere Anreise nicht ganz so lang, es sind nur 300 m vom Festivalbüro zur Lambertikirche, die ein kleines Raumwunder ist. 650 Menschen hätte ich der äußerlich gar nicht so großen Kirche eigentlich nicht zugetraut. Doch alles war möglich, der Einlass lief glücklicherweise ohne Tumulte und Massenpanik ab, und die Gäste, die auf Hörplätzen oben auf der Empore saßen, konnten Dank der Übertragung das Geschehen auf der Bühne auch überblicken. Ich hatte das große Glück, auf einem unbesetzten Presseplatz zu sitzen, also konnte ich alles sehen, den Geiger, den Pianisten, die Füße des Pianisten und das iPad. Daniel Hope spielt nicht etwa aus Papiernoten, sondern benutzt ein Tablet, bei dem er mit dem Fuß blättern kann. Sehr praktisch, aber die Pedale sind fürchterlich klein, ich würde bestimmt ständig zurückblättern. →Weiterlesen… “Keep calm and listen to Daniel Hope”

Wir bedanken uns bei unseren Festivalförderern