Tänzerische Leidenschaft im Radio

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Deutschlandfunk sendet Mitschnitt vom Gezeitenkonzert mit Nils Mönkemeyer und William Youn

William Youn und Nils Mönkemeyer auf dem Weg zum Gezeitenkonzert in Reepsholt, Foto: Uwe Pape
William Youn und Nils Mönkemeyer auf dem Weg zum Gezeitenkonzert in Reepsholt, Foto: Uwe Pape

Am Freitag ist es soweit: Der erste von drei Mitschnitten der Gezeitenkonzerte 2014 wird gesendet. Im Deutschlandfunk gibt es am Freitag, dem Freitag, 31. Oktober, ab 22:05 Uhr (in Ostfriesland zu empfangen auf 101,8 MHz) den Mitschnitt vom Gezeitenkonzert mit dem Bratschisten Nils Mönkemeyer und dem Pianisten William Youn in der Sendung „Musikforum“ zu hören. Die beiden jungen Musiker begeisterten am 24. Juni 2014 das Publikum in der St. Mauritius Kirche zu Reepsholt.

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Ochtersum all over the World

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Annika Treutler (Klavier) und Ramón Ortega Quero bei ihrem Gezeitenkonzert in Ochtersum, Foto: Gonda van Ellen
Annika Treutler (Klavier) und Ramón Ortega Quero bei ihrem Gezeitenkonzert in Ochtersum, Foto: Gonda van Ellen

Es gibt in Ostfriesland ein kleines Dorf, das nennt sich Ochtersum. Wer zum ersten Mal durch Ochtersum fährt, erlebt ein beschauliches, unspektakuläres Dörfchen, wo direkt hinter der Kirche die ostfriesische Endlosigkeit beginnt. Hier ist nicht viel los. Seit gestern Abend dürfte (zumindest theoretisch) die halbe Welt Ochtersum kennen. Das Gezeitenkonzert mit Ramón Ortega Quero (Oboe) und Annika Treutler (Klavier) wurde von Deutschlandradio Kultur live übertragen. Eine Premiere bei unserem Festival. Viele Konzerte wurden in den letzten drei Jahren mitgeschnitten und zum Teil in diesem Jahr ausgestrahlt, doch eine Live-Schalte war noch nicht dabei. Wibke hat hier schon erzählt, wie diese besondere Übertragung zustande kam.

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Vom Gate 29 zum Schloss Lütetsburg

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Maria Baptist, Foto: Karlheinz Krämer
Maria Baptist, Foto: Karlheinz Krämer

Wer kennt das nicht: man steht auf dem Flughafen oder dem Bahnhof und wird von einem Gleis oder Gate zum nächsten geschickt. Überall wimmelt, trippelt, schiebt und drängt es sich, der Puls schlägt im Sechzehntel-Takt. Maria Baptist, Pianistin, Komponistin und Kopf des Maria Baptist Trios, hat aus dieser Szenerie eine Komposition gemacht. Für sie war es das Gate 29 am Flughafen in Paris, das sie beinahe verzweifeln ließ, denn überall um sie herum pulsierte das absolute schnelle und moderne Leben. Nur das Gate 29 ließ sich nicht finden.

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Kontrastprogramm

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Latica Honda-Rosenberg (Violine), Matthias Kirschnereit (Klavier) und Nicola Jürgensen (Klarinette) beim Gezeitenkonzert in Remels, Foto: Karlheinz Krämer
Latica Honda-Rosenberg (Violine), Matthias Kirschnereit (Klavier) und Nicola Jürgensen (Klarinette) beim Gezeitenkonzert in Remels, Foto: Karlheinz Krämer

„Kontraste“! Endlich! Nach 25 Konzerten, gefühlten 250 Nennungen in Pressetexten, Rezensionen, Radiobeiträgen, Programmheften und persönlichen Gesprächen erklang gestern in der Kirche Remels endlich das Stück, das dieses Jahr als Motto der Gezeitenkonzerte dient: Béla Bartóks „Kontraste“ für Violine, Klarinette und Klavier Sz 111 (1938). Kontraste – das ist natürlich ein sehr weit gefasstes Motto. Zwischenzeitlich war man bei so vielen Kontrasten schon so weit, dass man Aronal und Elmex als Kontrastprogramm einstufte. Das Schöne ist aber, dass man aus der Perspektive des Kontrast-Begriffes die Konzerte aus einer ganz bestimmten Perspektive sieht. Wenn sich Künstler, Instrumente, Werke, Spielorte miteinander kontrastieren, entwickelt so ein Festival eine ganz eigene Dynamik.

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Dreimal Gerassimez in Höchstform

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Alexej Gerassimez, Foto: Karlheinz Krämer
Alexej Gerassimez, Foto: Karlheinz Krämer

Eigentlich haben Künstler bei den Gezeitenkonzerten kein Abonnement auf einen Auftritt. Und das ist auch gut so. Die drei Brüder Gerassimez bilden da eine kleine Ausnahme. Im ersten Jahr brachten Alexej (Schlagwerk, Vibraphon, Marimba), Nicolai (Klavier) und Wassily (Violoncello) das Alte Kurhaus in Dangast zum Kochen. Sie schafften sich vorab eine Abkühlung mit einem Bad im Jadebusen – am gleichen Tag entstand auch das Titelbild der Gezeitenkonzerte 2012. Im vergangenen Jahr mussten sie allein deshalb schon wiederkommen: Leider konnten terminlich nur Wassily und Nicolai bei der allerersten Langen Nacht der Gipfelstürmer in der Ostfriesischen Landschaft dabei sein – auch dort begeisterten sie derart, dass eine Dame aus dem Publikum sogleich sagte: „Wenn die drei Jungs im nächsten Jahr wiederkommen, möchte ich sie gerne beherbergen!“ Gesagt, getan.

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Bach und wir

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Lars Vogt beim Gezeitenkonzert in Backemoor, Foto: Karlheinz Krämer
Lars Vogt beim Gezeitenkonzert in Backemoor, Foto: Karlheinz Krämer

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Wenig später schuf Bach die Goldberg-Variationen. Noch ein wenig später tauchte ein junger Kanadier seine langen Finger ins heiße Wasser, spielte summend die Aria und veränderte die Musikwelt.

So weit, so altbekannt.

Wenn Lars Vogt die Goldberg-Variationen spielt, kann man das trockene Non Legato von Glenn Gould und dessen musikalische Exzentrik ruhig mal vergessen. In Backemoor betritt Lars Vogt die Bühne, beginnt ohne Zögern die auf dem gesamten Erdball bekannte Aria und taucht erst 70 Minuten später wieder auf. Was ist in der Zwischenzeit passiert?

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Ein wildes Steckelpferd fliegt über die Saiten

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Julian Steckel und Lauma Skride beim Gezeitenkonzert in Bagband, Foto: Karlheinz Krämer
Julian Steckel und Lauma Skride beim Gezeitenkonzert in Bagband, Foto: Karlheinz Krämer

Wie aus einem sehr tiefen Brunnen zieht der Cellist mit seinem Bogen den Ton aus der Tiefe des Instrumentes. Dunkel und schwarz wirkt er, bedrohlich und schauerlich, als ob ihm das Licht der Welt nicht so richtig passt. Grabesschwer setzt der dunkle Bass seinen Weg fort, unterbricht immer wieder, fragend, mit gequältem Gesicht. Was geschieht hier? Bin ich nur ein Produkt der Theorie? Dann öffnet sein Gegenüber die Augen. Aus einem noch dunkleren Loch macht sich der Bass des Klaviers bemerkbar und scheint ebenso wenig erfreut über seine Existenz zu sein. Während das Cello seine Fragen formuliert, kann das Klavier erst nur stampfen, zwischendurch immer wieder einen Cluster setzend. Beide merken, dass etwas mit ihnen passiert. Sie verändern sich, nehmen Tempo auf, steigern sich, werden wütend, ändern Klang und Farbe, mal hoch, mal tief, rasen die Reihen hoch und runter, schlagen aus, immer schneller, gehetzter, bis sie nach sechs Minuten wieder verhuschen und verschwinden. Es bleiben alle Fragen offen. Wieder Stille.
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Mitreißend: Das fehlende Gezeitenkonzert vom Auftaktwochenende

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Lauma Skride, Foto: Marco Borggreve
Lauma Skride, Foto: Marco Borggreve

Über das Auftaktkonzert und auch über die Aufführung der „Schöpfung“ bei den Gezeitenkonzerten 2014 habe ich im Gezeitenblog schon genug geschrieben, damit ist das Auftaktwochenende jedoch noch nicht komplett. Denn am Samstag, 21. Juni 2014 aufgrund des Fußball-WM-Spiels Deutschland gegen Ghana bereits um 15:00 Uhr, bestreitet der aus seinem Solokonzert in Buttforde bereits bekannte Cellist Julian Steckel gemeinsam mit Lauma Skride am Klavier das zweite Gezeitenkonzert in der Kirche zu Bagband.
Lauma Skride ist die jüngste der lettischen „Skride Sisters“. Häufig spielt sie gemeinsam mit ihrer Schwester Baiba (Violine), in diesem Jahr aber auch mit Daniel Müller Schott, Sol Gabetta oder eben Julian Steckel sowie Jörg Widmann oder Christian Tetzlaff bei den renommierten Festivals in Deutschland und anderswo. Der Bayerische Rundfunk sagt über ihr Spiel, es sei „wunderbar sensibel, mit herrlichen Klangfarben, immer wieder auch mit hochvirtuosem Elan“.
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Gezeiten-TV erkundet die Stimmung

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Unerlässlich für die Gezeitenkonzerte ist eine gute Stimmung! Mieke Matthes hat für Gezeiten-TV den Moment abgepasst, als Klavierbaumeister Tamme Bockelmann sich für die letzte Stimmung für den Abschluss der Gezeitenkonzerte 2013 an den Steinway setzen wollte und ihm erst einmal das Mikrofon unter die Nase gehalten. Ohne die gute Stimmung des Flügels, so dieser denn zum Einsatz kommt, würde möglicherweise eine Verstimmung der Musiker eintreten. Dem wirkt er zuverlässig und gründlich vor jedem Gezeitenkonzert entgegen und gibt für Gezeiten-TV einen kleinen Einblick in seine Arbeit.

Was für ein Abend

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Christian Tetzlaff, Foto: Karlheinz Krämer

Vor zwei Jahren erschien im Hamburger Abendblatt ein Porträt, das Christian Tetzlaff als Gegenmodell zum massentauglichen David Garrett darstellte. Ein norddeutsch sympathischer und bodenständiger Typ sei er (immer die gleiche Kurzhaarfrisur!), der mit Starrummel nichts anfangen kann. Sein Motto: „Die Menschen zu berühren, die ins Konzert kommen und vielleicht – im Idealfall – dafür zu sorgen, dass sie ihr Leben nachher anders fühlen, ist doch ein wunderbares und wichtiges Ziel!“. Wenn ich mich richtig erinnere, hat Matthias Kirschnereit dieses Motto zum Start der Gezeitenkonzerte ganz ähnlich formuliert.

„International berühmt“, „Weltstar“ – solche Worte fallen ja schnell. Aber Christian Tetzlaffs Konzerttermine sind wahrlich global. Und man muss sich nur einmal die euphorische ausländische Presse (vor allem in den USA) durchlesen, um das Renomee dieses Mannes zu verstehen. Vorige Woche spielte er in Chicago und Montreal, im September stehen die Royal Albert Hall in London, die Berliner Philharmonie, Zürich, Paris und Stockholm an.

Die Kirche Remels mutet in dieser Reihe der bedeutendsten Spielorte der Welt fast ein bisschen exotisch an. Große Dankbarkeit sprach Landschaftspräsident Helmut Collmann darum auch den Sponsoren aus, die das Konzert ermöglichten. Dankbar nahmen auch die Besucher die beiden Ausnahmemusiker an. Allen war bewusst: Dieser Abend, diese Künstler sind etwas Besonderes.

Die Kirche war so voll, dass wir auf der Bühne noch Besucher platzieren mussten. Die Musiker fühlten sich dadurch nicht gestört, und wir waren froh, den Platz nutzen zu können. Wie die beiden dann die Beethovensonate spielten, war atemberaubend. Christian Tetzlaff verfügt über ein solches Register an Ausdrucksmöglichkeiten, wie es wirklich nur ganz wenige Geiger besitzen. Auf allen Lagen war das Spiel und der vollendete Klang so nuancenreich, dass in der Kirche eine atemlose Stille herrschte.

Dass Matthias Kirschnereit die Violine perfekt ergänzte, muss ja kaum gesagt werden. Die beiden sind seit langem befreundet und sprechen musikalisch die gleiche Sprache.Etwas bange war uns um die Glockenschläge. Leider konnten die Zuschauer auf der Empore das Uhrwerk hören, und die Glocke ließ sich auch nicht ausschalten. Zum Glück passten die 22:00-Uhr-Schläge perfekt in die Pause zwischen den Schumann-Sätzen.

Schumanns Große Sonate op. 121 ist tiefgründig und vielschichtig.  Der leidenschaftlich drängende d-Moll Gestus prägt den Kopf- und Schlusssatz. Ein sehr zarter dritter Satz besteht fast nur aus gezupften Akkorden. Interessant sind auch die harmonischen Wendungen: So wird die Zieltonart D-Dur erst ganz am Ende in der Coda atemlos erreicht, fast so, als wäre es zu spät. Es bleibt das Gefühl, als würde Überdruck herrschen. Zum Glück entlädt sich der Überdruck im Konzert in den Applaus. Langer Applaus, bis die Hände schmerzen. Dann eine Zugabe. Beethoven. Nochmal langer Applaus. Was für ein Abend!

Christian Tetzlaff und Matthias Kirschnereit, Foto: Karlheinz Krämer

Wir bedanken uns bei unseren Festivalförderern