St. Vincenz und St. Laurentius-Kirche Backemoor

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Innenansicht Kirche Backemoor, Foto: Karlheinz Krämer
Innenansicht Kirche Backemoor, Foto: Karlheinz Krämer

Auf dem Geestrand südlich der sumpfigen Niederung des Flusses Leda liegt Backemoor. Schon in frühgeschichtlicher Zeit siedelten auf diesem hochgelegenen, trockenen Boden Menschen, und im 13. Jahrhundert war der Ort Mittelpunkt des Overledingerlandes. Heute ist Backemoor ein Teil der Gemeinde Rhauderfehn im Landkreis Leer/Ostfriesland. Wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts entstand die Kirche. Sie wurde zur Zeit der „Friesischen Freiheit“ erbaut. Bei ihr versammelte sich im Mittelalter das Kollegium aller Richter des Overledingerlandes, die „Sechzehner“. Es führte ein Siegel, das zwei Heilige zeigt: wahrscheinlich Liudger, Missionar der Ostfriesen und erster Bischof von Münster, und den Märtyrer Vincenz, neben dem Heiligen Laurentius Schutzheiliger der Kirche.

Beide Märtyrer wurden der Legende nach auf besonders grausame Weise zu Tode gebracht. Vinzentius von Valencia wurde mit zerdehnten Gliedern und von Haken zerfleischt auf ein glühendes Rost gelegt. Schließlich starb er auf einem Lager aus Glasscherben. Rost und Bett wurden jedoch von Engeln in ein Bett aus Blumen verwandelt. Auch Laurentius von Rom wurde auf ein glühendes Rost gelegt und dort mit eisernen Gabeln festgehalten. Er hatte sogar noch den Humor, seinen Peinigern zuzurufen, seine eine Seite sei nun durchgebraten, sie sollen ihn doch wenden. In Wirklichkeit starb er eines etwas „humaneren“ Todes: er wurde enthauptet.

Der romanische Backsteinbau, ein rechteckiger Raum mit eingezogener Apsis, ruht auf einem Sockel von Granitsteinen. Ursprünglich war die Kirche nach Westen hin länger und hatte kleinere Fenster, von denen nur noch das mittlere in der Apsis erhalten ist.

Im 15. Jahrhundert errichtete man statt der Westmauer einen Glockenturm mit ansteigenden Spitzbögen und Satteldach. Dicke Mauern, Schießscharten und ein Kamin deuten darauf hin, dass dieser Turm in unruhigen Zeiten als Wehrturm genutzt wurde.

Der Eingang befindet sich seither im Turm, die ursprünglichen Portale an der Süd- und Nordseite wurden zugemauert. Bei der Renovierung der Kirche in den 70er-Jahren kamen im Apsisbogen qualitätvolle Wandmalereien zum Vorschein, die Palmetten, Lebensbäume und Fabelwesen zeigen, die dem mittelalterlichen Menschen viel zu erzählen hatten. In der Apsis befindet sich eine gemauerte Bank, wahrscheinlich Rest des Priestersitzes.

Der Flügelaltar mit Szenen aus dem Neuen Testament (1701) ist ebenso wie die Kanzel aus Eichenholz (1702) und einer der Messingkronleuchter (1701) die Stiftung eines großzügigen, frommen Backemoorers.

Auf der Orgelempore befindet sich eine einmanualige Brüstungsorgel mit 12 Registern und angehängtem Pedal von Johann Friedrich Wenthin aus Emden (1783), deren Renovierung durch die Orgelbauwerkstatt Führer, Wilhelmshaven, 1982 abgeschlossen wurde. Die Rokoko-Orgel hat noch ihre originalen Prospektpfeifen und erklingt außer bei Gottesdiensten auch bei zahlreichen Konzerten, zu denen die Besucher von weither in die abseits lauter Verkehrswege zwischen hohen Eichen liegende Kirche kommen.

Text: Monika van Lengen

Kirche Backemoor mit Publikum beim Gezeitenkonzert 2014, Foto: Karlheinz Krämer
Kirche Backemoor mit Publikum beim Gezeitenkonzert 2014, Foto: Karlheinz Krämer

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