Quartetto di Cremona und Matthias Kirschnereit

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Beweisstücke

Wir haben so lange kein Konzert mehr gehört, vor allem nicht mit Matthias Kirschnereit. Das letzte war das Abschlusskonzert der Gezeitenkonzerte vor genau zwei Wochen. Unser Kollege Gert Ufkes war richtig neidisch auf uns, dass wir sowohl das Quartetto di Cremona als auch Matthias schon wieder sehen durften.

Um kurz nach acht ging es im Großen Sitzungssaal des Alten Landtags in Oldenburg los. Ganz ohne Begrüßung kamen die vier sympathischen jungen Männer auf die Bühne und machten sich ans Werk. Los ging es mit Beethovens Streichquartett in B-Dur op. 18 Nr. 6, das gewohnt ausdruckstark gespielt  und mit starkem Applaus belohnt wurde. Ein guter Auftakt!

Dann kam Matthias Kirschnereit dazu. Schumanns Klavierquintett Es-Dur op. 44 stand auf dem Programm. Für mich ist Matthias in diesem Jahr einer   d e r   Schumann-Interpreten schlechthin geworden, allerdings habe ich ihn dabei bislang immer solo gehört. Das sollte sich nun ändern. Leider war die Akustik des Saales etwas breiig, sodass nicht alles richtig rüberkam. Dirk Lübben und ich brauchten nur einen Blick auszutauschen, um zu wissen, was beide dachten. Da lobe ich mir unsere Kirchen in Ostfriesland, die über weitaus mehr Charme und Atmosphäre und fast immer eine deutlich bessere Akustik verfügen. Trotzdem war das Publikum – rund 200 Gäste – sehr angetan, und es ist einfach ein wunderschönes Stück!

Wie schön ist es doch, zur Abwechslung mal in einem Konzert sitzen und dieses einfach genießen zu können, ohne verantwortlich zu sein, wenn jemand die Konzertatmosphäre stört, weil einer an der Tür rüttelt. Unsere Gezeitenkonzerte habe ich genau aus diesem Grunde meistens draußen vor der Tür gehört oder auch nicht, was mir für die Künstler, zu denen ich immer einen guten Kontakt hatte, ein bisschen leid tat. Dafür habe ich es genossen, bei den Proben zwischendurch Mäuschen spielen zu dürfen!

Nach einer Pause ohne Catering, dafür mit spärlichem Getränkeangebot, gab es zum Abschluss Schostakowitschs Klavierquintett in g-Moll op. 57, das nach einem schönen Beginn erst einmal dahin plätscherte, sodass ich gedanklich schon abschweifte und mich fragte, warum es als bestes Kammermusikwerk des Jahres 1940 mit dem Stalin-Preis erster Klasse ausgezeichnet worden war. Dann jedoch kam der zweite Satz: Fuge (Adagio), der mich wiederum fesselte. Ab da war es wieder spannend, und es war eine Freude, den fünf Musikern auf der Bühne zuzuschauen, sodass ich mich fast meiner Gedanken über das Präludium schämte. Für etwas mehr Atmosphäre im Saal sorgte das lautstarke Durchknallen einer Glühbirne im Scherzo, das zum Leidwesen der Künstler zu stimmungsvollerem Licht führte, aber niemanden auf der Bühne aus der Ruhe brachte.
Eine Zugabe gab es, trotz lang anhaltendem Applaus nicht, sodass das Konzert des Oldenburger Kunstvereins auf die Minute pünktlich um 22:00 Uhr beendet war.

Der deutsche Manager des Cremona Quartetts, Joachim Nerger vom Künstlersekretariat Rolf Sudbrack erzählte uns vor dem Konzert, dass er Matthias‘ Management (June Artists) gebeten hatte, dessen Aufnahme just dieses letzten Stückes vorab nach Italien zu schicken, damit sich Cristiano Gualco, Paolo Andreoli, Simone Gramaglia und Giovanni Scaglione ein Bild von seinem Spiel machen konnten. Schließlich ist Matthias kurzfristig für Andrea Lucchesini eingesprungen und es gab – außer nachmittags – keine Möglichkeit für eine Probe. Spürbar war das kaum, aber wie er richtig bemerkte: „Das glaubt einem ja keiner, dass die im Prinzip noch nie zusammen gespielt haben!“ Mit wem hatte Matthias diese Aufnahme eingespielt? „Natürlich“ mit dem Szymanowski Quartett, was ich ja auch gerne live erlebt hätte, da mir diese eindrucksvollen Herren ebenfalls sehr ans Herz gewachsen sind.

Danach haben wir wie verabredet noch die Gelegenheit genutzt, ein paar Worte mit den Künstlern zu wechseln. Die vier Italiener hatten wir nun schon seit etwa drei Jahren nicht gesehen, aber sie erkannten uns sofort und erkundigten sich nach alten Bekannten und ließen Grüße ausrichten. Es war ein sehr herzliches, wenn auch kurzes Miteinander, da alle früh ins Hotel, bzw. sich direkt auf den Heimweg machen wollten. Samstagfrüh sollte es ab Bremen zurück nach Milano gehen, wo vor dem Weiterflug nach Frankreich zehn Stunden Aufenthalt angesagt waren … . Matthias freute sich nach einem erneuten Konzertmarathon in dieser Woche einfach nur auf ein Wochenende zu Hause. Schön, dass er auf seiner Fahrt Begleitung hatte, da er kurzerhand Joachim Nerger angeboten hatte, ihn nach Hamburg mitzunehmen.

 

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