Gipfelstürmer auf Groothuser Warft

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Julian Arp (Cello) und Caspar Frantz (Klavier), Foto: Karlheinz Krämer
Julian Arp (Cello) und Caspar Frantz (Klavier), Foto: Karlheinz Krämer

Nachdem Caspar Frantz im letzten Jahr sein Debüt in Ostfriesland bei den deutsch-niederländischen Grenzkonzerten in Backemoor gegeben hat, kam er in diesem Jahr zusammen mit dem Cellisten Julian Arp zu den Gezeitenkonzerten wieder. Die beiden jungen Männer machen nun schon seit 15 Jahren zusammen Musik und haben sich bereits einige Preise erspielt. Vor kurzem ist ihre neueste CD “Time isn’t passing” erschienen, die uns bereits vor dem Auftritt in der Kirche zu Groothusen große Lust auf gerade dieses Gezeitenkonzert gemacht hat. Freitagabend gab das Duo Arp/Frantz also das erste von insgesamt sechs Gezeitenkonzerten, in denen die Gipfelstürmer zum Zuge kommen. Diese Bezeichnung verleitet manchen zum Schmunzeln, einige haben ein großes Fragezeichen im Hinterkopf ob der künstlerischen Qualität.
Caspar und Julian konnten diese Bedenken gleich mit dem ersten Stück zerstreuen. Zwei hochkonzentrierte, ausdrucksstarke und vor allem leidenschaftliche junge Musiker begannen mit Beethovens Sonate g-Moll für Klavier und Violoncello op. 5 Nr. 2. Es folgte ein Applaus, der – entgegen der Musik – deutlich draußen vor der Kirche zu hören war – ein Wahnsinn. Energiegeladen ging es weiter mit zwei Kurtág-Stücken, die beide nur wenige Minuten dauerten, dann aber äußerst geschickt mit der folgenden Sonate in D-Dur BWV 1028 von Bach verwoben wurden. Überhaupt war es eine spannende Auswahl von Stücken, die das ganze musikalische Können der beiden sympathischen Künstler zeigten. Es herrschte eine geradezu magische Atmosphäre in der wunderbaren Kirche, die das schlechte Wetter zumindest für den Moment vergessen ließ.

In der Pause wurden alle kurzfristig wieder vom ostfriesischen Sommer eingeholt, denn pünktlich zu deren Beginn setzte der Regen wieder ein, sodass unser gastronomisches Angebot durch die “Haasen” fast ins Wasser fiel. Glück hatten die Teilnehmer des Streifzuges durch die Osterburg Groothusen, einem tollen, geschichtsträchtigen Ort. Die Besitzerin Dorothea Kempe gewährte einen Blick ins Innere der letzten von ursprünglich drei Burgen und auf die berühmten goldledernen Tapeten, bevor die Besucher durch das denkmalgeschützte Gehölz im Park geleitet wurden.

Zum Abschluss gab es nach der Pause erneut zwei Werke von Kurtág, die danach in Brahms’ Sonate für Violoncello und Klavier Nr. 1 in e-Moll op. 38 mündeten. Erneut ließ sich das Publikum von Julian Arp am Cello und Caspar Frantz am Klavier mitreißen. Die beiden fühlten sch wiederum von den begeisterten und fachkundigen Zuhörern beflügelt. Nach der Zugabe, für die sie noch einmal alles gaben, inklusive eines Sprints zum Gemeindehaus um die Noten zu holen, gab es kein Halten mehr. Enorme Beifallsstürme erfüllten die die voll besetzte Kirche.

Duo Arp/Frantz, Foto: Karlheinz Krämer
Duo Arp/Frantz, Foto: Karlheinz Krämer

Vasyl Kotys gewinnt 2. Preis des Internationalen Alexander Skrjabin-Wettbewerbs

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Vasyl Kotys, Foto: Karlheinz Krämer
Vasyl Kotys, Foto: Karlheinz Krämer

Anfang der Woche erzählte mir Matthias Kirschnereit, dass unser Gipfelstürmer Vasyl Kotys, der im letzten Jahr in Bagband bei seinem Gezeitenkonzert das Publikum und uns so fasziniert hat, gerade den 2. Preis beim Internationalen Skrjabin-Wettbewerb in Grosseto, Italien, gewonnen hat. Zusätzlich erhielt Vasyl Kotys den Sonderpreis für die beste Interpretation in Höhe von 1.000 € von der Familie Marini in Erinnerung an Gianni Marini. Leider reichen meine nicht-vorhandenen Italienisch-Kenntnisse nicht aus, um herauszufinden, wer das war.

Nichts desto trotz freut mich beides sehr für Vasyl. Es war der erste Skrjabin-Wettbewerb, der vom 19. bis zum 24. Februar 2013 stattfand und von einer international besetzten Jury bewertet wurde, der u. a. die in Oldenburg lebende Pianistin Elena Nogaeva angehörte. Der Internationale Skrjabin-Wettbewerb im Fach Klavier zeichnet die besten jungen Pianisten der Welt in Grosseto aus und wurde initiiert von der Musikalischen Gesellschaft Alexander Skrjabin. Der 28-Jährige Ukrainer setzte sich mit von Mozarts KV 466 gegen die Italienerin Michelle Candotti durch. Der 1. Preis ging an den Chinesen Guang Chen.

Wer Vasyl Kotys auch 2013 bei den Gezeitenkonzerten erleben möchte, darf sich auf einen langen, intensiven und vor allem abwechslungsreichen Abend einstellen, da er – wie viele andere – bei der Langen Nacht der Gezeitenkonzerte am 3. August im Forum und im Ständesaal der Ostfriesischen Landschaft dabei sein wird.

JOCO bei der Ausstellungseröffnung “Land der Entdeckungen” und im August bei den Gezeitenkonzerten

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JOCO - Josepha Carl, Foto: Stefan Krabath | Auch beim Gezeitenkonzert am 3. August in der Ostfriesischen Landschaft in Aurich dabei
JOCO – Josepha Carl, Foto: Stefan Krabath | Auch beim Gezeitenkonzert am 3. August in der Ostfriesischen Landschaft in Aurich dabei

Am Sonntag (27. Januar, parallel zum NDR-Sonntagskonzert mit den Gezeitenkonzerten) wurde als Auftakt zum Themenjahr in Emden die große Ausstellung „Land der Entdeckungen | Land van Ontdekkingen – Die Archäologie des friesischen Küstenraums“ im Landesmuseum eröffnet. Zur Ausstellungseröffnung hatte die Ostfriesische Landschaft als Leadpartner des Projektes in die Johannes a Lasco Bibliothek eingeladen, wo nach mehreren Grußworten die ostfriesische Band JOCO die musikalische Begleitung übernahm. Das sympathische Geschwisterduo Josepha und Cosima Carl, das sich nicht eindeutig einem bestimmten Genre zuordnen lässt, heizte den mehr als 350 Gästen mit ihren zweistimmigen Eigenkompositionen, begleitet von Gitarre, Saxofon und Keyboard, ordentlich ein. Landschaftsdirektor Dr. Rolf Bärenfänger und Dr. Jan F. Kegler von der Landschaft waren sehr begeistert von ihrer Musikalität; und auch Kollegiumsmitglied Rico Mecklenburg äußerte sich spontan im Netz: „Klasse, die beiden. Richtig gute Musik mit ostfriesischen Wurzeln, sehr vielseitig!“ und freute sich bereits auf JOCOs Beteiligung bei der „Langen Nacht“ der Gezeitenkonzerte am 3. August 2013. Dann spielen sie als einer von mehreren Acts zusammen mit Stefan Schneider am Schlagzeug und Christian Hengst am Bass im Auricher Landschaftsforum. Ein Wiedersehen gibt es dann auch mit dem sympathischen Pianisten Vasyl Kotys, der letztes Jahr in Bagband so viele bei seinem Gipfelstürmerkonzert in Bagband beeindruckt hat. Der wiederum spielt im benachbarten Ständesaal, in dem der Flügel auf ihn und weitere junge Talente wartet.

Zurück zur Ausstellung
Da unsere Gezeitenkonzerte erst am 21. Juni beginnen, laden wir Sie herzlich ein, in der Zwischenzeit die Ausstellung unserer Kollegen aus der Archäologie im Emder Landesmuseum zu besuchen. Dort erwarten Sie die Höhepunkte der archäologischen Forschungsarbeit im friesischen Küstenraum, der selbstverständlich auch die niederländischen Provinzen Fryslân, Groningen und Drenthe umfasst. Bis zum 16. Juni haben Sie Zeit sich die Funde aus 40 Jahren Forschungsgeschichte der Ostfriesischen Landschaft anzusehen. Ausgestellt werden z. B. der „Münzfund von Walle“, der Eigentum der Deutschen Bundesbank ist, der Kindersarg aus der Dornumer Häuptlingsgruft der Familie von Closter oder die bekannte Sonnenscheibe von Moordorf. Zur Erklärung wie Archäologie eigentlich funktioniert, gibt es eine Station nicht nur für Kinder und Jugendliche. Sie hilft auch uns Erwachsenen zu verstehen, warum sich der Bau einer Straße oder des Eigenheims durch das Eingreifen der „Spatenpaulis“ verzögert, dass es einfach wichtig ist, bestimmte Funde für die Nachwelt zu erhalten. Aktuelles Beispiel: Wir haben hier vor dem Haupthaus der Ostfriesischen Landschaft eine Großbaustelle, an der auch die Archäologen beteiligt sind. Heute haben sie Reste von Brückenpfeilern des Alten Hafens gefunden – eine spannende Sache, die die meisten Bauarbeiter vermutlich weniger interessieren wird, weil sie durch diesen Fund in ihrer Arbeit aufgehalten werden.

P.S.: Auch Land der Entdeckungen wird von Anfang an von einem Blog begleitet. Schauen Sie doch mal rein.

And the winner is: Alexandra Conunova-Dumortier und Dami Kim

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Wie versprochen, haben wir natürlich den Ausgang des diesjährigen Joseph Joachim Violinwettbewerbs verfolgt. Erstmalig in der Geschichte des höchst-dotierten internationalen Violinwettbewerbs der Stiftung Niedersachsen gab es gleich zwei Gewinner: die Moldawierin mit dem schönen Namen Alexandra Conunova-Dumortier und die Koreanerin Dami Kim, die sich gestern Abend im Funkhaus Hannover gegen die Konkurrenz durchgesetzt haben. „The winners are …“ war demzufolge noch nicht vorgesehen! Respektabler Dritter wurde Tobias Feldmann, der einzige deutsche Teilnehmer im Wettbewerb. Weitere Informationen gibt es auch in der Hannoverschen Allgemeinen vom 12. Oktober 2012.

Alexandra Conunova-Dumortier

Alexandra Conunova-Dumortier (*1988 in Kishinev/Moldawien) erhielt ihren ersten Violinunterricht im Alter von sechs Jahren. Von 2006 bis 2010 studierte sie an der Hochschule für Musik und Theater Rostock in der Klasse von Prof. Petru Munteanu. Derzeit wird die Geigerin von Prof. Krzysztof Wegrzyn an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover unterrichtet. Ergänzend zum Studium nahm sie an Meisterkursen teil, beispielsweise bei Prof. Igor Oistrach, Prof. Igor Ozim und Baiba Skride.

 

Dami Kim

Dami Kim, 22, aus Korea begann im Alter von fünf Jahren mit dem Violinspiel. Sie trat 2002 dem Curtis Institut für Musik bei und studierte bei Aaron Rosand und erhielt 2007 ihr Diplom. 2010 machte sie ihren Bachelorabschluss am New England Konservatorium, wo sie im Jahr zuvor den Concerto Wettbewerb gewann und mit dem NEC Symphonieorchester auftrat. Derzeit studiert sie dort bei Miriam Fried und bereitet ihren Magisterabschluss vor.

 

Die Gewinnerin der Herzen des Auricher Publikums stand bereits am Mittwochabend fest. Uns hat Ju-Ni Lee mit ihrer Klavierpartnerin Mana Oguchi schwer begeistert. Leider hat sie es nur ins Semifinale geschafft: Immerhin, denn die Konkurrenz war groß! Nett fand ich, dass Alexandra über Facebook die Konzerte der Mitbewerber verfolgt hat. Da sie Fan der Gezeitenkonzerte ist, hatte sie dort gelesen, dass Ju-Ni Lee bei uns im Landschaftsforum auf ein großes Echo gestoßen ist.

Heute Abend werden beim Galakonzert der Preisträger noch der Kritiker- und der Publikumspreis bekannt gegeben. Zu verfolgen ist auch das über den Livestream auf der Homepage. Bis zum 4. Oktober verfolgten bereits 20.000 Besucher das Livestream-Angebot, ein neuer Rekord. Interessiert hätten mich da natürlich die Zahlen von gestern.

Etwas Neues von den Gipfelstürmern

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Isang Enders und Andreas Hering (c) Hans-Ludwig Böhme

Fest vorgenommen hatte ich mir, die Entwicklung unserer “Gipfelstürmer” aufmerksam zu verfolgen. Heute Vormittag bin ich in diesem Zusammenhang über eine CD-Vorstellung von Michael Ernst bei nmz online gestolpert: „Mit Myrten und Rosen“ ist der verheißungsvolle Titel. Auch Elisabeth Richter vom NDR hat am 14. September eine wirklich nette Besprechung über diese CD gemacht.

Isang Enders und Andreas Hering, die gemeinsam das vierte von sechs Gipfelstürmerkonzerten in der Deichkirche in Carolinensiel bestritten haben, hätten am liebsten am 20. Juli schon ihre CD „Mit Myrten und Rosen“ im Gepäck für ihren Auftritt in Ostfriesland gehabt. Leider hat das nicht geklappt. Stattdessen war bereits vor Fahrtantritt Isangs Blackberry von einem LKW zermalmt worden, die Fahrt dauerte länger als geplant: nicht unbedingt gute Voraussetzungen für ein entspanntes Konzert. Glücklicherweise hat ihnen unser Team einen warmen Empfang mit von nun an guten Bedingungen bereitet, sodass es trotzdem ein tolles Konzert wurde, das mich persönlich sehr beeindruckt hat (s. Blogpost vom 21. Juli). Andreas schrieb danach ins Gästebuch: „Was könnte für einen Hering schöner sein als an der Nordsee zu spielen??? Danke für einen tollen Abend; Andreas Hering“. Und Isang ergänzte: „Auch ohne Telefon haben wir den Weg doch gefunden. Vielen Dank für Eure Hilfe und treue Gäste!“

In Carolinensiel haben sie die Werke von der nun erschienenen CD gespielt; im Wesentlichen Werke von Schumann, gepaart mit zwei Stücken des eher unbekannten koreanischen Komponisten und Namensgeber von Isang Enders, Isang Yun. Natürlich fehlte das Titelstück „Mit Myrten und Rosen“ op. 24 Nr. 9 von Schumann nicht bei dieser gewagten, aber spannenden Kombination. Ich freue mich, dass die CD nun endlich auf dem Markt ist und könnte mir vorstellen, dass einige der Besucher dieses Gezeitenkonzertes beim Hören an Isangs lockere Moderation denken und in Erinnerung an einen schönen Abend schwelgen werden.

Das Model der Gezeitenkonzerte: Dangast

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Es gibt Konzertorte, die einfach ein sehr spezielles Flair haben. Ganz besonders freue ich mich deshalb auf das Konzert heute Abend mit den drei Gerassimez-Brüdern im Alten Kurhaus in Dangast. Hier passen Name des Festivals, Ort und Künstler sehr gut zusammen. Das Kurhaus liegt direkt am Jadebusen, sodass man vom Konzertraum aus den Sonnenuntergang genießen kann, und heute auch noch bei perfektem Wetter auf das trockenfallende Watt gucken kann. Zuvor gibt es bei unseren Streifzügen die Gelegenheit mit der Etta von Dangast einen Ausflug auf dem Jadebusen unter anderem zum Arngaster Leuchtturm zu machen. Also ist nach der Flut irgendwann Ebbe.

Nicht so musikalisch. Da gehe ich davon aus, dass die drei Jungs so richtig aufdrehen und für eine Flut an Musik sorgen. Allein die Kombination aus Schlagzeug, Vibraphon, Cello und Klavier in einem Konzert finde ich sehr spannend. Es vereinen sich hier Werke der letzten hundert Jahre – von Debussy, Piazzolla, Ligeti, Psathas und Séjourné … .

Brüder Gerassimez (c) Deutscher Musikwettbewerb/Haring

Beim Lesen der Vitae unserer heutigen „Gipfelstürmer“ gingen bei mir die Augen über. Dass alle drei Preisträger beim Deutschen Musikwettbewerbs des Deutschen Musikrates sind, wusste ich schon länger, aber wenn man so liest, wo die Herren bereits aufgetreten sind (Laeiszhalle, Berliner Philharmonie, Wigmore Hall) und was für Preise jeder für sich so „abgestaubt“ hat, ist sehr beeindruckend, vor allem, wenn man bedenkt, dass sie erst Anfang zwanzig sind. Alexej und Wassily komponieren nebenher auch noch – man darf noch einiges erwarten, denke ich! Einige dieser Kompositionen dürfen wir heute Abend erleben.

Nicolai haben wir Anfang des Monats in Landow erlebt, wo er uns gut gefallen hat. Dort spielte er allerdings Klavier vierhändig.

Besonders freue ich mich auf Wassilys Stück „Transition“, das Matthias Kirschnereit unbedingt im Programm dieses Gezeitenkonzertes in Dangast haben wollte, aber auch auf Piazzollas „Le grand Tango“ und Alejejs „Variations on Libertango“. Über dieses Stück schreibt er im Booklet seiner aktuellen CD: „Eigentlich wollte ich den ‚Libertango‘ von Astor Piazzolla für Klavier und Vibraphon arrangieren. Doch während des Arrangierens kamen mir immer wieder musikalische Ideen und Einfälle. Mit der Zeit entwickelte das Stück ein Eigenleben und entfernte sich immer weiter von der ursprünglichen Version. Es ist jetzt ein eigenständiges Stück mit jazzigen, minimalistischen Elementen und Improvisationen im Mittelteil.“ Vielen Dank an dieser Stelle mal wieder an Ulf Brenken, der mir bereits im Vorfeld viele Informationen über die Kompositionen für das Abendprogramm hat zukommen lassen. Ihn hat speziell dieses Konzert so gereizt, dass er seine geliebte Stadt Hamburg verlässt, um es live zu erleben.

Hier in Dangast entstanden übrigens viele unserer „Gezeiten-Fotos“ – am anderen Ende der Ostfriesischen Halbinsel.

Motiv Gezeitenkonzerte, Foto: Karlheinz Krämer

Große Meister in Pewsum

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Amaryllis Quartett und Annika Treutler, Foto: Karlheinz Krämer

Zwei Wochen vor dem Konzert mit dem Amaryllis Quartett und der Pianistin Annika Treutler überschlugen sich die Nachrichten. Erst kam die frohe Botschaft, dass das Quartett den hochdotierten Kammermusikpreis der Jürgen Ponto Stiftung erhalten wird. Wenig später ging die bedeutende Nachricht ein, dass der ECHO Klassik Preis 2012 für die Kammermusikeinspielung des Jahres ebenfalls an das Quartett gehen wird.

„Sind das überhaupt noch Gipfelstürmer?“, fragte mich ein Besucher in Pewsum dann auch zu Recht. Die vier jungen Musiker haben die Gipfel jedenfalls in Rekordzeit erstürmt. Dementsprechend aufgeregt war man, die vier „in Action“ und zusammen mit Annika Treutler zu erleben. Die 21-jährige Pianistin machte den Anfang und war großartig. Sie spielte die sieben Fantasien für Klavier op. 116 von Johannes Brahms. Die Stücke wechseln von ruhigen und zärtlich-ernsten Momenten zum „agitato“ und gegenläufigen Arpeggien. In der Kirche herrschte eine fast magische Stille.

Das Amaryllis Quartett spielte Ravels Quatuor F-Dur. Wie diese vier Musiker gemeinsam kommunizieren und aufeinander eingespielt sind, ist wirklich unbeschreiblich. Tosender Applaus bereits zur Pause. Schön, dass nun auch endlich hier der Sommer angekommen ist und die Pause mit Gesprächen, Getränken und Essen den lauen Sommerabend voll ausfüllte.

Mein persönliches Highlight des Abends war das Klavierquintett von Brahms, bei dem man endlich alle fünf Musiker gemeinsam erleben konnte. 43 Minuten voll intensiver Musik, Emotionalität und Konzentration, sodass am Ende einige spürbar aufatmeten und nur noch „Großartig“ raunen konnten.

Annika Treutler, Foto: Karlheinz Krämer

Auf der preisgekrönten CD spielt das Quartett Streichquartette von Haydn und Webern. Da waren wir fast ein wenig enttäuscht, dass von den ausgezeichneten Stücken keines im regulären Programm vorgesehen war. Aber zum Glück gibt es ja die Zugaben. Und bei denen wurde bei den Gezeitenkonzerten ja bislang nicht gespart. Man durfte also hoffen. Dann aber kam die schlechte Nachricht des Tages: die Noten lagen noch in Emden! Was tun? Zum Glück gibt es Uwe Pape, der in Rekordzeit (natürlich korrekt der Geschwindigkeitsbegrenzung folgend!) hin und zurück fuhr und so die Zugabe rettete.

Haydns Schlusssatz aus dem Reiterquartett geriet dann auch zu dem, was die Ehrenrunde bei Olympia ist: eine große Verbeugung vor den Meistern. Das Pewsumer Publikum verbeugte sich mit riesigem Applaus. „Unser weißes Album“, nannte Gustav Frielinghaus die neue CD. Leider war das Quartett in den letzten Tagen so viel unterwegs gewesen, dass die „weißen Alben“ ausverkauft waren. Machte nichts, denn es gab noch das Vorgänger Album mit dem schönen Blumenmotiv als Cover. Was dann auch einige Nachfragen zum Namen aufklärte.

Annika Treutler entließ die Besucher mit modernen und sakralen Klängen von Messiaen in die Sommernacht. Der Besucher hatte Recht: Diese fünf Musiker haben den Gipfel längst erstürmt.

Isang Enders und Andreas Hering in Carolinensiel

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Andreas Hering und Isang Enders, Foto: Karlheinz Krämer

Welcher Spielort könnte besser zu den Gezeitenkonzerten passen als die Deichkirche in Carolinensiel? Sie ist die einzige Kirche weltweit, die wirklich direkt auf dem Deich – mittlerweile ein sogenannter Schlafdeich – steht. Gemunkelt wird, dass den Carolinensielern ihre Kirche verordnet wurde. Mittlerweile sind sie jedoch ganz zufrieden mit der Tatsache, dass es sie gibt. So viele Einheimische aus dem Dorf wie hier hatten wir sonst noch nicht in unseren Konzerten. In den Städten ist es natürlich wieder etwas anderes. Wir haben uns auf jeden Fall über diesen Zuspruch und die Unterstützung durch den Kirchenvorstand sehr gefreut! →Weiterlesen… “Isang Enders und Andreas Hering in Carolinensiel”

Wo wollen die denn noch hin?

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Max Simon, Foto: Karlheinz Krämer

Schon in der Pause des Konzertes am Mittwoch mit Lilit Grigoryan (Klavier) und Max Simon (Violine) sprachen mich vermehrt Gäste aus dem Publikum an. Sie waren so begeistert von dem Spiel und auch dem Auftreten der beiden sympathischen jungen Musiker, die unter der Überschrift “Gipfelstürmer” angekündigt waren. Vor allem Lilit, die auch solo spielte, war faszinierend anzusehen und zu hören. Der Abend in der schönen, schlichten „Bauernkirche“ (Beschreibung eines Konzertbesuchers) begann eher mit leisen Tönen von Prokofjew, schön eingeleitet durch erklärende Worte von Max. Danach legte Lilit mit Skrjabins 2. Klaviersonate los und entfachte das Feuer endgültig. Lebhaft und leidenschaftlich ging es erneut zu zweit mit Schumanns 1. Sonate für Violine und Klavier weiter, bevor es in die Pause ging. Draußen hatten derweil sowohl Wind als auch Regen zugenommen, sodass sich Haase Catering im Gemeindehaus aufgebaut hatte. Eine scharfe Suppe war genau das richtige für diesen Abend – wärmend und passend zur Musik. Den Rest besorgte dann erneut Lilit solo mit Brahms Klaviersonate Nr. 2, von der es hieß, sie sei so facettenreich und technisch schwierig. Ihr ging sie leicht und locker von der Hand, sodass sie das Publikum noch mehr in ihren Bann zu ziehen schien. Für möglich gehalten hätte ich das zuvor nicht. Die Frage aus der Pause drängte sich immer mehr auf. Das letzte Stück laut Programm war Ravels Tzigane, die die beiden gemeinsam zauberhaft spielten.

Bei der Zugabe gab es kurzfristig Verwirrung, wo Max‘ Noten geblieben waren. Während er suchte und sie schließlich in den unendlichen Weiten seiner Tasche fand, überbrückte Lilit die Wartezeit kurzerhand spielend mit Tänzen von ihrem armenischen Landsmann Aram Chatschaturjan, bevor das Konzert mit einem weiteren Werk von Ravel endgültig sein gutes Ende nahm. Egal, wo die beiden noch hin wollen: Wir werden sie aufmerksam auf ihrem Weg verfolgen und wünschen alles Gute.

Max Simon und Lilit Grigoryan, Foto: Karlheinz Krämer

Heimlich bei den Proben

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Vasyl Kotys, der am Samstagabend als sogenannter Gipfelstürmer sein erstes Gezeitenkonzert in der Kirche zu Bagband bestritt, wusste uns bereits bei den Proben zu faszinieren. Gezeiten-TV schaute dem jungen Pianisten dabei über die Schulter. Das Konzert im Anschluss war unglaublich, und Vasyls Auftritt wurde vom Publikum mit stehenden Ovationen gefeiert.

Wir bedanken uns bei unseren Festivalförderern