Reformierte Kirche in Bargebur

Geschrieben am
Reformierte Kirche Bargebur, Foto: Karlheinz Krämer
Reformierte Kirche Bargebur, Foto: Karlheinz Krämer

Mehr als hundert Jahre dauerte es, ehe sich die Reformierten im „lutherischen“ Norden eine eigene Kirche bauen konnten. Seit 1612 durften sie immerhin Gottesdienst abhalten, mussten dazu aber in das vier Kilometer entfernte, reformierte Lütetsburg. Nach vielen Eingaben bekamen sie 1679 vom dort herrschenden Grafen Dodo II. von Knyphausen die Erlaubnis, in seiner Herrlichkeit, nämlich in Bargebur direkt von den Toren Nordens, gegen den Widerstand der Norder und trotz des Bauverbots der fürstlichen Regierung, eine Kirche zu errichten.

Seit einiger Zeit schon hatten sie, weil durch den Umbau des Schlosses die Schlosskapelle nicht mehr zugänglich war, in der Bargeburer Ölmühle Unterschlupf gefunden.

In Norden herrschte ein erbitterter Streit um den rechten Glauben. Kurz nach Beginn der Bautätigkeit kam es deshalb zu einem Aufruhr der Norder Lutheraner, die sich, manche mit „Feuerrohren“ bewaffnet, zusammenrotteten und den begonnenen Bau nebst Baumaterial vernichteten. Danach berichteten sie stolz, sie hätten „das Zwingli’sche Nest verheeret“. Nur unter dem Schutz der Brandenburgischen Truppe, die in Greetsiel lag, konnte die Kirche 1684 endlich gebaut werden. Die in Ostfriesland residierende Fürstin Christine Charlotte, selbst überzeugte Lutheranerin, musste widerwillig der Gründung einer reformierten Kirchengemeinde in Norden zustimmen.

Der schlichte Backsteinbau hat große, rundbogige Fenster, und seine Glocke befindet sich in einem Dachreiter auf dem Walmdach.
Durch einen Vorraum betritt man das von einer gewölbten Decke überspannte Kircheninnere. An der Nordwand befindet sich die Prieche, das logenartige Kirchen-gestühl, der In- und Knyphausenschen Familie. In der Gruft unter der Kirche wurden bis 1790 die Familienmitglieder bestattet. Seitdem dient die „Insel der Seeligen“ im damals neu angelegten Landschaftspark des Lütetsburger Schlosses als Familien-Friedhof.

Die Orgel stammt aus der Werkstatt W. Beckmann, Einbeck. Sie entstand im Erbauungsjahr der Kirche und wurde 2004 vom Orgelbauer Bartelt Immer aus Norden restauriert.

Text: Monika van Lengen

Ev.-ref. Kirche Bargebur
Alter Postweg
26506 Norden-Bargebur

Kirche Zum guten Hirten Münkeboe

Geschrieben am
Ev.-luth. Kirche Zum guten Hirten Münkeboe, Foto: Karlheinz Krämer
Ev.-luth. Kirche Zum guten Hirten Münkeboe, Foto: Karlheinz Krämer

Im Jahre 1765 bestimmte Preußens König Friedrich II., Herr über Ostfriesland, wie die Moore in seiner Provinz kultiviert werden sollten, in einem „Edikt wegen Urbarmachung der in Unserm Fürstenthum Ostfriesland und dem Harlingerlande befindlichen Wüsteneyen, wobey zugleich die Principia Regulativa festgesetzet werden, nach welchen bey Ausweisung der wüsten Feldern und bey Entscheidung der darüber entstehenden Streitigkeiten zu verfahren“.

→Weiterlesen… “Kirche Zum guten Hirten Münkeboe”

Reformierte Kirche in Stapelmoor

Geschrieben am
Ev.-ref. Kirche Stapelmoor, Foto: Karlheinz Krämer
Ev.-ref. Kirche Stapelmoor, Foto: Karlheinz Krämer

Unter den 31 Kirchen des Rheiderlandes nimmt dieses Gotteshaus aus dem letzten Drittel der 13. Jahrhunderts eine herausragende Stellung ein. Hoch hinauf streben die Mauern, die auf dem Grundriss eines griechischen Kreuzes mit fast gleichlangen Armen erbaut wurden. Der angebaute Satteldachturm unterstreicht dadurch, dass er das Kirchendach nur wenig überragt, die Höhe der Kirchenwände, die durch romanische Schmuckelemente gegliedert sind. Trotz der später vergrößerten Fenster wirkt der Bau „wie aus einem Guss“. Etwas ganz Besonderes sind die bemalten Gewölbe, die, und das ist in Ostfriesland sehr selten, unbeschadet die Jahrhunderte überstanden haben. Florale und geometrische Formen sowie ein seltsames geflügeltes Wesen lassen erahnen, wie dekorativ und rätselhaft die mittelalterliche Bildersprache war. (Detaillierte Beschreibung siehe unten). Aus der Romanik stammt die Bentheimer Sandsteintaufe, verziert mit einem Rankenfries und Tauornamenten. Die mit Intarsienarbeiten geschmückte Kanzel entstand um 1600.

Noch eine Besonderheit hat die Kirche zu bieten: In einem Gehäuse, das 1848 von dem Papenburger Orgelbauer Eike Schulte, der von 1813-1848 in Ostfriesland wirkte, geschaffen wurde und das mit Hilfe eines alten Fotos 1848 rekonstruiert werden konnte, befindet sich eine „französische Orgel“. Sie wurde 1997 nach dem Vorbild eines Instrumentes erbaut, das der Orgelbauer Louis-Alexandre Clicquot, Mitglied der bedeutendsten Orgelbauerfamilie Frankreichs vor dem 19. Jahrhundert, 1734 in Houdan bei Versailles geschaffen hatte. Das dreimanualige Instrument mit selbständigem Pedal und 23 Registern bauten die Orgelbauer Claude Jaccard, Reinalt Klein und Bartelt Immer. Es ist die erste konsequent im klassisch-französischen Stil gebaute Orgel Deutschlands. Das Besondere des französischen Orgelstils, der zu Beginn des 18. Jahrhundert – nicht zuletzt auch infolge der Hugenotten-Einwanderung – einen großen Einfluss im deutschsprachigen Raum gewann, liegt in den typischen Klangfarben, wie den brillanten Trompetenregistern, dem Solo-Cornet und dem Terzenspiel.

Text: Monika van Lengen
(Aus: Rheiderlands Kirchen. Hrsg. von den Kommunen und Kirchengemeinden des Rheiderlandes. Red. Marianne Gerke u.a. Weener 2000)

Die Gewölbemalereien in der Kirche von Stapelmoor

Romanische Kirchen waren immer innen ausgemalt und besaßen auch außen einen Anstrich. Ohne Malerei zeigt sich uns heute ein romanischer Kirchenbau eigentlich nur noch als „Skelett eines ursprünglichen Organismus“.
Auch die Wände der Kirche in Stapelmoor werden vollständig mit Wandmalereien bedeckt gewesen sein. Vielleicht waren es – wie in vielen Kirchen der damaligen Zeit – Heilige, deren Darstellung die Kirchenwände schmückten. So findet man oft den Heiligen Christophorus mit dem Jesuskind auf den Schultern oder in Italien Sankt Franziskus, den „Lieblingsheiligen“ der Italiener. Oder an der Westwand – der „weltlichen Seite“ der Kirche – die drastische Darstellung des Jüngsten Gerichts, die dem Gläubigen die Folgen seines Tuns im Diesseits mit auf den Weg gab.
In Stapelmoor waren, wie in fast allen ostfriesischen Kirchen, die Malereien an den Wänden und in den Gewölben verschwunden – bis man Reste von ihnen 1964 unter der weißen Tünche wieder fand und anschließend restaurierte. Zwar ist nur noch ein Bruchteil dessen zu sehen, was einst vorhanden war, aber auch diese Reste können uns heute einen Eindruck von dem verschaffen, was das Innere der Kirche einst barg: eine Malerei, die in ihrer Vielfalt und symbolischen Bedeutung voller Spannung war und deshalb auch noch heute die Aufmerksamkeit des Betrachters erheischt.
Was zu sehen ist, scheint sich auf den ersten Blick zu erschließen: verschiedene Muster, die sich in den Gewölben wiederholen und abwechseln und die sich zu einem interessanten farbigen „Patchwork“ ergänzen.
Nun ist es aber so, dass in der mittelalterlichen bildlichen Darstellung eine Symbolik verborgen war, die sich uns nicht mehr erschließt: Pflanzenornamente, geometrische Formen und gar figürliche Darstellungen wurden nicht willkürlich vom Maler gewählt, weil er sie schön fand, sie waren vielmehr „bildliches Echo der Liturgie“. Der mittelalterliche Mensch verstand, was gemeint war, wurde belehrt und gestärkt durch die tiefere Bedeutung der Bilder. Lesen konnte er vielleicht nicht, aber Bilder deuten, die sich uns heute verschließen wie Buchstaben eines Alphabets, das wir nie lernten.
In einigen Beispielen sei hier eine Erklärung gegeben zum tieferen Verständnis oberflächlich gesehener Darstellungen:
Immer wieder, vor allem im südlichen Gewölbe, taucht die stilisierte Lilie auf. Blumen waren beliebte Symbole der mittelalterlichen Malerei. Auch in der Renaissance finden wir auf vielen Gemälden christlicher Themen Darstellungen von Blumen. Was auf den ersten Blick wie Dekoration wirkt, ist in Wirklichkeit mit Bedacht gewählt: In einem Blumenstrauß, der auf einem Gemälde von Maria mit dem Jesuskind dargestellt ist, deutet ein Veilchen z.B. auf die Kreuzigung hin. Und eine Lilie bei der Verkündigung erzählt von der Reinheit und Keuschheit Marias. In der Bauornamentik ist die stilisierte Lilie das Gnadensymbol. Sie erscheint auch als formelhafte Verkürzung des Symbols des Lebensbaumes. Dieses Motiv steht für den „Baum des Lebens“ als Erlösungsmotiv. Er hat aber auch die Bedeutung des „Baumes der Erkenntnis“, der durch den Sündenfall zum „Baum des Todes“ wird. Wenn man die Blätterranken im Gewölbe betrachtet, kann man eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Rankenfries am Taufbecken feststellen. Dort finden sich zwischen den Blättern stilisierte Weintrauben und wenn man genau hinsieht, kann man diese auch zwischen den Ranken im Gewölbe entdecken. Was liegt hier näher, als an das Wort Jesus zu denken: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben“. Die einzige figürliche Darstellung in den Gewölben ist eine Gestalt mit menschlichem Kopf und Tierkörper. Sie trägt eine merkwürdige Zipfelmütze und hat Flügel. Diese Figur scheint der griechischen Sagenwelt entliehen zu sein: eine Harpyie vielleicht, eine griechische Unheilsdämonin. Die hat aber eigentlich einen Vogelkörper. Oder ein Silen, ein Mischwesen aus Pferd und Mensch, ein Fruchtbarkeitsdämon. Aber der dürfte dann keine Flügel haben. Aus der antiken Mythologie entlehnte Dämonen finden wir in der mittelalterlichen Darstellung öfter. Auf Taufbecken, im Wandfries der Kirche von Marienhafe, als Wasserspeier an gotischen Kirchen. Sie stellen das Böse dar, das durch das christliche Evangelium überwunden wird. Sicher haben sich in den Gewölben noch andere rätselhafte Wesen getummelt, die nun jedoch auf immer verloren gegangen sind.

Text: Monika van Lengen

Ev.-ref. Kirche Stapelmoor
Hauptstraße 65
26826 Weener-Stapelmoor

Ev.-ref. Kirche Stapelmoor, Foto: Karlheinz Krämer
Ev.-ref. Kirche Stapelmoor, Foto: Karlheinz Krämer

Petrus-und-Paulus-Kirche in Timmel

Geschrieben am
Ev.-luth. Petrus-und-Paulus-Kirche Timmel, Foto: Karlheinz Krämer
Ev.-luth. Petrus-und-Paulus-Kirche Timmel, Foto: Karlheinz Krämer

Am Rande von Timmel, das als “Timberlae” schon um das Jahr 900 bekannt war, steht auf einer Warf der lang gezogene, von einem Tiroler Baumeister entworfene  Kir­chenbau von 1736 mit seinen Fenstern im gotischen Stil und dem Glockenturm, der 1850 angebaut wurde. Bevor dieser Bau entstand, gab es an derselben Stelle zwei Vorgängerkirchen. Bei Grabungen 1976 stieß man auf Brandspuren einer Holzkirche. Darüber entstand im 13. Jahrhundert eine Back­steinkirche, die im 18. Jahrhundert wegen Baufälligkeit abgerissen werden musste.

→Weiterlesen… “Petrus-und-Paulus-Kirche in Timmel”

Warnfriedkirche in Osteel

Geschrieben am
Warnfriedkirche Osteel, Foto: Karlheinz Krämer
Warnfriedkirche Osteel, Foto: Karlheinz Krämer

Der Namenspatron Warnfried war ein englischer Friesenmissionar, der im Jahr 760 starb. Ihm wurde die einschiffige Kreuzkirche bei ihrer Fertigstellung im 3. Viertel des 13. Jahrhunderts geweiht. Querschiff und Chor mussten 1830 wegen Baufälligkeit abgebrochen werden. Langschiff und Turm wurden gleichzeitig verkürzt. Das Vorbild für diesen Sakralbau steht im nur drei Kilometer entfernten Marienhafe. Ebenso wie dort gab es an Chor und Querschiff Nischen, die für Skulpturen gedacht waren, von denen sich jedoch keine Spuren mehr fanden.

Innenschiff
Im Innern der Warnfriedkirche sind an den Wänden noch die Rumpfsäulen zu erkennen, auf denen einst die 1686 eingestürzten Gewölbe ruhten. Der Kirchenraum ist nun mit einer schönen, mit geometrischen Formen verzierten Decke überzogen. Die Ostwand richtete man neu auf und versah sie mit zwei großen, spitzbogigen Fenstern, die viel Licht in die Kirche fallen lassen. →Weiterlesen… “Warnfriedkirche in Osteel”

Reformierte Kirche Groothusen

Geschrieben am
Reformierte Kirche Groothusen, Foto: Karlheinz Krämer
Reformierte Kirche Groothusen, Foto: Karlheinz Krämer

Die Kirche in Groothusen war für uns eine der neuen Entdeckungen dieses Jahres. Die Krummhörn hat wirklich viele, wunderschöne Gotteshäuser zu bieten, von denen wir längst noch nicht alle gesichtet haben.
In Groothusen kam noch dazu, dass wir unglaublich herzlich empfangen wurden und uns eine große Hilfsbereitschaft und ein Hunger nach Kultur entgegengebracht wurde. So freuen wir uns also auf das dortige Debüt der Gezeitenkonzerte mit dem Duo Arp / Frantz am 28. Juni 2013 um 20:00 Uhr.

Groothusen
Nähert man sich von Greetsiel aus Groothusen, dann kann man seine ursprüngliche Form als lang gezogene Siedlung noch gut erkennen. Der Ort war eine Handelsniederlassung auf einer Wurt, der über die inzwischen verlandete Sielmönkener Bucht Zugang zum Meer hatte. →Weiterlesen… “Reformierte Kirche Groothusen”

St. Martinskirche in Remels

Geschrieben am
Ev.-luth. St. Martinskirche Remels, Foto: Karlheinz Krämer
Ev.-luth. St. Martinskirche Remels, Foto: Karlheinz Krämer

Durch einen malerischen Backstein-Torturm aus dem 14. Jahrhundert betritt man den Friedhof, an dessen höchster Stelle die St. Martinskirche steht. An ihrem Äußeren kann man ablesen, dass sie in drei Phasen gebaut wurde. Der älteste Teil ist das westliche Kirchenschiff, das noch fast bis zum Dach aus so genannten Granitquadern besteht.
Dies ist der östliche Rest eines ganz aus Granitsteinen gebauten Apsissaales aus dem frühen 13. Jahrhundert. Um 1300 wurden der westliche Teil und die Apsis abgerissen. Dafür entstanden drei neue Joche im Osten, erkennbar durch die Mauern aus Backstein und Tuff im oberen Teil und die spitzbogigen Fenster mit umlaufenden Rundstäben.
Der Backsteinturm im historisierenden Stil entstand 1897/98.
An der Nordwand des Kirchenschiffes sieht man Kette, Halseisen und Podest eines Prangers. Als Mittelpunkt der Landesgemeinde Lengen war Remels Ort der Rechtsprechung. War ein Täter oder eine Täterin verurteilt, so wurde er oder sie „an den Pranger gestellt“. Was für uns heute nur noch eine im übertragenen Sinne gebräuchliche Redensart ist, war für den mittelalterlichen Menschen peinsame Realität: Verachtung und Hohn der Rechtschaffenen ergoss sich über ihn, und er bekam wohl auch schon mal Wurfgeschosse von faulem Gemüse oder Schlimmeren zu spüren, ganz abgesehen von der Schande, die ihm ein Weiterleben in der Gemeinschaft fast unmöglich machte.

Vor der Kirche ist seit einigen Jahren wieder ein Steinsarkophag aus dem 12. Jahrhundert aufgestellt, der 1911 zufällig im Boden gefunden und ins Heimatmuseum Leer transportiert worden war. In solchen aufwändigen Steinsärgen, die mit ähnlichem Deckel, wie dem auch neben der Kirche aufgestellten, geschlossen waren, beerdigten die Wohlhabenden der Gemeinde ihre Toten. So war sichergestellt, dass sie bei der Auferstehung noch alle Gebeine beisammen hatten. Später dann endeten diese Sarkophage des Öfteren als Viehtränken auf den Kuhweiden.

Der Innenraum
Der gewölbte Innenraum ist in vier Joche unterteilt, an der Ostwand des westlichen Joches sind noch die Ansätze der alten Apsis zu erkennen. Von der ornamentalen Ausmalung ist im Chorjoch ein Fries aus Akanthusblättern aus dem 13. Jahrhundert erhalten geblieben. Die Rankenmuster an der Ostwand und im Chorgewölbe entstanden etwas später.

Ein bemalter Flügelaltar, den der Bildschnitzer und Maler Tönnies Mahler aus Leer um 1667 schuf, zeigt in der Mitte das Abendmahl und seitlich Szenen aus der Jugend Christi. Von Karfreitag bis Ostern werden die Seitenflügel geschlossen, und die Gemeinde sieht dann die Passion Jesu.

Aus der Mitte des 13. Jahrhunderts stammt das Taufbecken aus Bentheimer Sandstein. Die Cuppa ruht auf vier Trägerfiguren, die unter ihrer Last zusammenzubrechen scheinen. Sie ist mit einem Fries aus Akanthusblättern geschmückt, der von Taustäben und Perlschnüren umrahmt ist. Wann der Taufstein seine farbige Fassung bekam, ist nicht bekannt. Wahrscheinlich wurde die rote Farbe auf der Cuppa und die blaue auf dem Fuß in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts aufgetragen. Die barocke Kanzel mit gedrehten Säulen und den geschnitzten Figuren der Evangelisten in Bogenfeldern entstand Ende des 17. Jahrhunderts.

Die zweimanualige Orgel mit angehängtem Pedal und 15 Registern baute Hinrich Just Müller, Wittmund, im Jahr 1782. Ihr Rückpositiv ist eine bis dahin selbstständige kleine Orgel, die in die Orgelbrüstung eingebaut und in die Gesamtanlage integriert wurde. 1978/79 wurde die Orgel restauriert, wobei nicht mehr erhaltene Teile weitgehend rekonstruiert wurden. Nun kann sich ihr edler Klang, auch wegen der hervorragenden Akustik in der Kirche, wieder gut entfalten.

Text: Monika van Lengen

Ev.-luth. St. Martinskirche Remels
Ostertorstraße
26670 Uplengen-Remels

Die Sankt Mauritius-Kirche in Reepsholt

Geschrieben am
ev.-luth. Kirche Reepsholt, Foto: Karlheinz Krämer
ev.-luth. Kirche Reepsholt, Foto: Karlheinz Krämer

Was von Sankt Mauritius zuerst ins Auge fällt, ist der zerstörte Backsteinturm. Er verbirgt mit seiner wuchtigen Gestalt fast die Kirche, wenn man sich ihr von Westen her nähert. Diese ist, wie man bei einem Rundgang erkennen kann, in mehreren Bauphasen entstanden.

Von der um 1200 ganz aus “Granitquadern” erbauten Kirche blieb nur der untere Teil erhalten sowie ein Portal an der Nordseite, das wesentlich tiefer liegt als das Niveau der heutigen Kirche. →Weiterlesen… “Die Sankt Mauritius-Kirche in Reepsholt”

Lambertikirche in Aurich

Geschrieben am
Ev.-luth. Lambertikirche Aurich, Foto: Karlheinz Krämer
Ev.-luth. Lambertikirche Aurich, Foto: Karlheinz Krämer

Der älteste Teil der Kirche ist der Lambertiturm, das Wahrzeichen Aurichs. Er wurde im späten Mittelalter aus Backsteinen errichtet und 1682 mit einem achteckigen, mit Schiefer gedeckten Aufbau und einer Turmspitze versehen.

Die bald nach 1200 erbaute, schlichte Einraumkirche, die im 15. Jahrhundert erweitert wurde und deren Altarraum seit 1588 dem Grafen- und Fürstengeschlecht der Cirksena als Begräbnisstätte diente, wurde 1826 wegen Baufälligkeit abgerissen. Die Gebeine der ostfriesischen Herrscherfamilie fanden vorübergehend ihren Platz in einem Kellergewölbe, bis die Särge 1880 in das Mausoleum auf dem Friedhof überführt wurden. Die elf erhalten gebliebenen Sarkophage sind restauriert und man kann das Mausoleum besichtigen. (Den Schlüssel hat der Friedhofswärter.) →Weiterlesen… “Lambertikirche in Aurich”

St. Marien-Kirche in Buttforde

Geschrieben am
Kirche Buttforde, Foto: Karlheinz Krämer
Kirche Buttforde, Foto: Karlheinz Krämer

In diese schöne, kleine Dorfkirche wurden die Gezeitenkonzerte im Winter vom Ortsvorsteher Henning Bernau eingeladen. Nach vielen Überlegungen und Terminverschiebungen haben wir für 2013 vereinbart, dass Cellist Julian Steckel dort auftritt und die Orgel leider nicht zum Klingen gebracht wird. Eigentlich war dafür  Christoph Schoener, Kirchenmusikdirektor der Hamburger Michaeliskirche, gemeinsam mit Matthias Kischnereit und Bariton Andreas Schmidt angedacht. Julian Steckel ist jedoch ein würdiger Ersatz und freut sich auf seinen Auftritt bei den Gezeitenkonzerten. Auf uns wartet mit dem Buttforder Bürgerverein ein eingespieltes Team, das uns seine volle Unterstützung zugesichert hat.

Die Kirche
Die romanische Granitquaderkirche wurde um 1230 als rechteckiger Saalbau mit eingezogener Apsis erbaut. Die hoch sitzenden Fenster erweiterte man im 17. Jahrhundert, ebenso wurde die Westwand mit Backsteinen neu errichtet und die Apsis erhöht. Die Kirche ist heute flach gedeckt. Sie war einst mit drei Jochen überwölbt, auch die Apsis hatte ein Gewölbe, das 1600 zerstört wurde. Zwischen Kirchenschiff und Chor befindet sich ein steinerner Lettner mit drei Rundbögen.

Der Altar
Im Chor steht ein spätgotischer Flügelaltar, entstanden um 1480 in Nordwestdeutschland, der Szenen aus dem Leben Marias zeigt. Dies ist der einzige vollständig erhaltene Marienaltar in Ostfriesland. Fast alle anderen 17 Altäre, die von den circa 500 Altären, die sich in den Kirchen befanden, nach dem „Bildersturm“ der Reformation im ostfriesischen Küstenraum übrig blieben, sind Kreuzigungsaltäre, auf denen die Passionsgeschichte Jesu im Mittelpunkt steht. Auch auf diesem Altar sind nur Szenen aus dem Marienleben zu sehen, die unmittelbar mit Jesus zu tun haben: Geburt Jesu, die Anbetung der Könige und die Darbringung des Sohnes Jesus im Tempel. Die Mutter Gottes ist in jeder Szene sehr präsent. Das hat dem Altar wohl sein Leben gerettet.
Der Altar war ursprünglich farbig gefasst, seine jetzige Holzsichtigkeit zeigt aber vielleicht besser als die ehemalige Farbigkeit die Feinheit der Holzschnitzereien.
Wahrscheinlich ist der Altar die Stiftung eines wohlhabenden Gemeindemitglieds. Darauf hin deuten könnte die kniende Frau links in der Geburtsszene.

Schnitzereien in der Buttforder Kirche, Foto: Karlheinz Krämer
Schnitzereien in der Buttforder Kirche, Foto: Karlheinz Krämer

Schnitzereien im Chorraum
Im Chorraum und unter dem Lettner sind ebenfalls bemerkenswerte Holzschnitzereien aufgestellt: eine thronende Muttergottes (Mitte 14. Jahrhundert), eine Marienklage (Pietà) und eine Madonna auf der Mondsichel (beide Mitte des 15. Jahrhundert). Die Spätrenaissance-Kanzel mit ihrem Aufgang (1655) ist reich bemalt mit Bildnissen der Propheten, Evangelisten und Martin Luthers. Der schlichte Taufstein aus Granit, der später auf einen Sockel gestellt und mit einer Messingschale, deren Umschrift den Stifter und das Stiftungsdatum nennt, abgedeckt wurde, stammt vermutlich aus dem Ende des 12. Jahrhunderts, ebenso das Weihwasserbecken, das bis in den 50er-Jahren in einem Bauerngarten stand.


Lettner, Empore und Richborn-Orgel

Über dem steinernen Lettner aus dem 15. Jahrhundert mit drei rundbogigen Durchgängen befindet sich der „Apostelboden“ mit einer Brüstung, die reich mit Szenen aus der Bibel, Inschriften und Wappen bemalt und mit einem zierlichen Traljengitter geschmückt ist. Auf dieser Empore steht ein besonderes Juwel: die 1681 vom wichtigsten Hamburger Orgelbaumeister vor Arp Schnitger, Joachim Richborn, von 1677-1681 in Ostfriesland wirkend, erbaute einmanualige Orgel mit angehängtem Pedal und neun Registern. Sie thront im vorgezogenen Mittelteil der Empore mit ihrem prachtvollen Prospekt mit polygonalem (vieleckigem) Mittelturm, seitlichen Spitztürmen und einfachen, kleinen Flachfeldern. 1949 wurde die Orgel gründlich gereinigt und repariert, wobei außer den Pfeifen des Trompetenregisters alle Register erhalten blieben. Obwohl sich die hölzernen Teile der Orgel mittlerweile in einem baulich sehr schlechten Zustand befinden, ist der Klang immer noch von ungebrochener Lebendigkeit und Frische. Für die Restaurierung dieser Orgel von europäischer Bedeutung wurden in der Gemeinde Spenden und Kollekten gesammelt.

Nach der zweijährigen, aufwändigen Sanierung durch Orgelbauer Ahrend in Leer konnte am 27. Januar 2013 die Richborn-Orgel in einem Festgottesdienst mit einer Predigt von Superintendent Dr. Detlef Klahr eingeweiht werden. Wir haben sie uns schon vorher anschauen dürfen und waren allein vom Äußeren sehr angetan und freuen uns, dass Buttforde mit diesem Schmuckstück aufwarten kann!

Für alle kurzentschlossenen Besucher außerhalb der Gottesdienste oder eines Gezeitenkonzertes noch ein kleiner Tipp: Der Schlüssel für die Kirche kann an der nahegelegenen AVIA-Tankstelle in Buttforde ausgeliehen werden.

Kirche Buttforde von innen, Foto: Karlheinz Krämer
Kirche Buttforde von innen, Foto: Karlheinz Krämer

Text nach Monika van Lengen (mit Ergänzungen)

Ev.-luth. St. Marien-Kirche Buttforde
Neudorfer Weg 1
26409 Wittmund-Buttforde

Wir bedanken uns bei unseren Festivalförderern