Auf dem Marktplatz von Norden, einem der ausgedehntesten Deutsch­lands, steht der heute größte Sakralbau Ostfrieslands. Das aus heimi­schem Backstein und aus Tuff, einem Stein vulkanischen Ursprungs aus der Eifel, erbaute Gotteshaus wurde 1980-85 umfassend restauriert. Zu Beginn eine Tuffsteinkirche aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts, dann im frühen 13. Jahrhundert in Backstein erneuert und in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts  um den freistehenden Glockenturm ergänzt, war sie noch eine einfache, ungewölbte Saalkirche mit halbrunder Apsis. An deren Stelle trat dann 1445 ein gewölbtes Querschiff, dessen Ostabschluss wiederum in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts durch den spätgotischen Chor ersetzt und erweitert wurde.

Über dem Portal des nördlichen Querschiffes befindet sich ein frühgotisches Relief  von circa 1230, das die Anbetung des Jesusknabens durch die Heiligen Könige zeigt. Zu sehen sind auch Josef und vermutlich Sankt Andreas. Die Sandsteinplatte mit einem giebelförmigen Abschluss stammt vermutlich aus der einst nördlich der Kirche gelegenen Andreas-Kirche.

Die Kirche betritt man durch einen unscheinbaren Eingang an der Südseite und der Blick wird sogleich von der Ostpartie des Baues angezogen. Hinter dem mittleren Kreuzrippengewölbe des Querschiffes ragt in den ursprünglichen Farben Weiß und Rot der dreizonig aufgebaute Chor empor. Im Chorumgang  werden jetzt die Statuen aus Baumberger Sandstein aufbewahrt, die um 1230-50 entstanden und zuletzt die Blendarkaden des Querhausgiebels geschmückt haben. Durch ihre hohe künstlerische Qualität ist hier besonders die Gruppe der Verkündigung sehenswert.

Die Ludgerikirche ist reich an wertvollen Ausstattungstücken. Da ist zum Beispiel der protestantische Schriftaltar von 1582 mit einem spätgotischen geschnitzten Baldachin. Die in vergoldeten Lettern in mittelniederdeutscher Sprache wiedergegebenen Abendmahlsworte wurden unter einem wenig qualitätvollen Gemälde freigelegt. Auf den Außenseiten der Flügel ste­hen die Zehn Gebote geschrieben.

Ebenfalls im Chor befindet sich ein spätgotisches Sakramentshaus von 1480 aus Baumberger Sandstein. Es ist über acht Meter hoch und zeigt in seinen durchbrochenen, fragilen Formen eine in der Gotik beliebte Idealarchitektur. Der ursprüngliche Figurenschmuck ging verloren und wurde im 19. Jahrhundert ersetzt.

Auch aus der Spätgotik stammt das geschnitzte Chorgestühl von 1481 mit seinem schönen Maßwerk an den Wangen und den Schnitzreliefs von Verkündigung und Kreuzigung.

Die barocke Kanzel mit ihrem turmartigen Schalldeckel trägt die Jahreszahl 1712 und wurde von dem aus Norden stammenden Rudolph Garrels  geschaffen. Der Kanzelkorb wird von einer Figur des Moses getragen und ist mit qualitätvollen Darstellungen von Heiligen, Aposteln sowie Martin Luthers geschmückt.

Das Prunkstück der Ludgerikirche ist die weit über die Grenzen Ostfrieslands hinaus bekannte dreimanualige Orgel mit selbstständigem Pedal und 46 Registern. Von dem berühmten Hamburger Orgelbaumeister Arp Schnitger, der von 1684-1714 in Ostfriesland wirkte, wurde sie zwi­schen 1686 und 1692 erbaut. Bemerkenswert ist auch ihre ungewöhnliche asymmetrische Anordnung um den südöstlichen Vierungspfeiler herum, die der besonderen Aufgabe, akustisch verschie­dene Raumteile klanglich möglichst gleich gut zu erreichen, in genialer Weise gerecht wird. Dabei steht der Pedalturm separat im Querschiff, während die vier Manualwerke (Rückpositiv, Hauptwerk, Brustpositiv und Oberpositiv) aus dem Hochchor schräg zum gegenüberliegenden Querschiff ausgerichtet sind. Dass die Orgel nach vielen Veränderungen im Laufe der Zeit und Beschädigungen durch Austrocknen wieder ihre ursprüngliche Klangpracht zurück erhalten hat, ist dem Orgelbauer Jürgen Ahrend aus Leer-Loga zu verdanken, der das Werk nach strengen denkmalpflegerischen und künstlerischen Maßstäben von 1981 bis 1985 von Grund auf restaurierte. Schadhafte originale Teile der Orgel wurden repariert, veränderte Teile restauriert und nicht mehr vorhandene Teile rekonstruiert, wobei andere Arp-Schnitger-Orgeln zum Vergleich herangezogen wurden. Die kompromisslose Wiederherstellung des originalen Zustandes hat zu einem überzeugenden  Ergebnis geführt. Das Instrument beeindruckt durch seinen faszi­nierenden, edlen und vielfarbigen Klang. Auch äußerlich zeigt die Orgel seit 1990 wieder ihr ursprüngliches Gesicht.

Monika van Lengen

Mehr über die Arp-Schnitger-Orgel in dem Werk: Harald Vogel, Reinhard Ruge: Orgellandschaft Ostfriesland. Norden 1995


Ludgerikirche Norden
Am Markt 37
26506 Norden

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