Wahrscheinlich hatte die St.-Nicolai-Kirche drei Vorgängerinnen. Schon im 9. Jahrhundert hat hier eine Kirche gestanden, von der man weiß, dass sie während einer Fehde 1164 zerstört wurde. Dabei wird es sich um eine schlichte Holzkonstruktion gehandelt haben. Im 12. Jahrhundert entstand eine Steinkirche, die wiederum bei kriegerischen Auseinandersetzungen zerstört wurde. Daraufhin kam es zu einem Neubau, der dem Heiligen Nikolaus geweiht wurde. An seine Stelle trat dann 1775/76 die heutige St.-Nicolai-Kirche, ein barocker Saalbau mit hohen, schmalen Fenstern, einem geraden Chorabschluss und etwas vorspringenden Querarmen für die Eingänge. Der Haupteingang an der Südseite wird durch ein schönes Sandsteinportal betont, das durch Pilaster mit Pflanzenornamenten verziert ist. Darüber befindet sich ein Segmentbogen mit einer Tafel, auf der ein Spruch und das Erbauungsjahr 1775 zu lesen sind. Der Turm trägt eine barocke Haube mit durchbrochener Laterne. Seine Spitze mit dem Schwan als Wahrzeichen einer lutherischen Kirche bekam er 1797. Das Innere der Kirche ist mit einem hölzernen Tonnengewölbe überdeckt und hat Emporen an drei Seiten. Durch seine helle Farbigkeit wirkt der Raum sehr freundlich.

Die Kanzel mit Schalldeckel hinter der Altarmensa stammt aus der alten Kirche. Sie wurde 1667 von dem Wittmunder Holzschnitzer Hinrich Julfs gebaut. Auch die Kniebänke von 1653 standen einst in der Vorgängerkirche, der dazugehörende Altar ist verloren gegangen. Die beiden Kronleuchter sind Stiftungen aus der Zeit um 1600. Der hölzerne Taufständer wurde 1777 für die neuerbaute Kirche angefertigt. Laut Inschrift wurde er von J.M. Hoppe geschaffen und zeigt in seinen barocken Formen Ähnlichkeiten mit Taufständern im Jeverland.
Das Werk der Orgel ist ein Neubau der Orgelbauwerkstatt Führer, Wilhelmshaven, von 1981-84. Historisches Pfeifenwerk, vor allem die Brustwindlade, stammt eventuell von einer Arp-Schnitger-Orgel von 1684/85. Den spätbarocken Orgelprospekt übernahm die Werkstatt von der Orgel, die Hinrich Just Müller aus Wittmund 1775/76 geschaffen hatte. Typisch für die Bauweise der Müller-Orgeln, von denen es in Ostfriesland noch zahlreiche gibt, ist der siebenteilige Bau mit dem prächtigen Rankenwerk der Schleier, Bekrönungen und Ohren. 2006 wurde das Instrument von Bartelt Immer aus Norden überholt.

Monika van Lengen


St.-Nicolai-Kirche Wittmund
Am Kirchplatz
26409 Wittmund

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