Die Süddeutsche Zeitung nennt Michael Wollny einen Musiker, der „aus jeder nur erdenklichen Musik ein Erlebnis machen kann, das einem den Atem nimmt“. Für die FAZ ist er der „vollkommene Klaviermeister“, für das Hamburger Abendblatt „die stärkste Jazz-Musikerpersönlichkeit, die Deutschland seit Albert Mangelsdorff hervorgebracht hat“. Nicht nur füllt er selbst die großen Konzertsäle, er ist auch bei den namhaftesten europäischen Kollegen als Partner gefragt. Der 1978 in Schweinfurt geborene Pianist gilt zweifellos als einer der wichtigsten europäischen Jazzmusiker seiner Generation. Dabei ist er alles andere als ein typischer Jazzpianist. Wenige bearbeiten den Flügel so körperlich wie Wollny. Geistig wie physisch ist er immer in Bewegung. Oft geht es dem Instrument an die Eingeweide. Seine Inspiration kann dabei von Franz Schubert oder Gustav Mahler kommen, von Björk oder Kraftwerk, von japanischen Gangsterfilmen oder Horrorstories: Sein Spiel ist so grenzenlos, wie seine Suche nach dem bisher Ungehörten. Der Ausdruckskraft, die sich aus dieser Energie, gepaart mit unerschöpflichem Einfallsreichtum und überragender Technik, ergibt, kann man sich nicht entziehen.

Mit fünf Jahren hatte Wollny ersten Unterricht an Klavier und Geige, ein wichtiger Einfluss war seine ebenfalls Klavier spielende große Schwester, die ihm vor allem die klassische Romantik nahebrachte. So war für ihn „Klavierspielen immer beides – Improvisation und Bach oder Schumann spielen“, wie er erzählt. Als er mit 16 als Gasthörer ans Herrmann-Zilcher-Konservatorium in Würzburg geht, wird er vom Pianisten und Hochschullehrer Chris Beier entdeckt. Er erkennt Wollnys Talent und nimmt ihn als Jungstudenten an der Würzburger Hochschule für Musik unter seine Fittiche. Die nächsten Stationen heißen BundesJugendJazzorchester (BuJazzO), das erste eigene Trio und ein Duo mit dem Saxophonisten Hubert Winter. Ab 2001 wird Wollny immer wieder als Pianist für das hr-Jazzensemble eingeladen. Hier kann er mit den Granden des deutschen Jazz arbeiten: Albert und Emil Mangelsdorff, Christof Lauer und nicht zuletzt Heinz Sauer. Der Saxophonist ist begeistert von dem jungen Mann am Klavier und lädt ihn ein, mit seinem Sextett beim 32. Deutschen Jazzfestival in Frankfurt aufzutreten. Es ist der Startschuss für eine bis heute bestehende musikalische Partnerschaft über die Generationen hinweg, die durch vier preisgekrönte Duo-Alben dokumentiert ist.

Dass Wollnys Interpretation des Jazzidioms in der europäischen Musiktradition verwurzelt ist, lässt sich nicht überhören. So buhlen auch verstärkt die klassischen Institutionen um seine Kreativität und Popularität: Das Konzerthaus Dortmund widmet Michael Wollny gleich eine ganze Reihe von Abenden. Das Rheingau Musik Festival ehrt ihn durch eine „Residency“, mit verschiedenen Projekten über die gesamte Saison hinweg. Die Alte Oper Frankfurt beauftragt ihn für das Musikfest 2015 erstmals anlässlich des damaligen Bach-Schwerpunkts mit einer Interpretation der Goldberg-Variationen, woraus eine alljährliche Tradition erwächst, die sich erst mit einer Adaption von Claude Debussys „Nachmittag eines Fauns“, dann mit einem Beitrag zu Schuberts „Winterreise“ und aktuell mit György Ligetis „Atmosphères“ fortsetzt. Dazu passt ein Lieblingsprojekt Wollnys, das seine Leidenschaften fürs Kino, für „Gothic“ und für die klassische Moderne bündelt: Mit Eric Schaefer am Schlagzeug und dem vom norwegischen Bigband-Revolutionär Geir Lysne geleiteten Norwegian Wind Ensemble (Det Norske Blåseensemble) vertont er Friedrich Wilhelm Murnaus Filmklassiker „Nosferatu“ aus dem Jahr 1922 live. Diese fruchtbare und umjubelte Zusammenarbeit vertieft sich, als Wollny und Siggi Loch kurzentschlossen das Orchester zu den Studioaufnahmen für das neue Trio- Album in den berühmten Osloer „Rainbow“-Studios dazu holen. Eine Woche nach den Aufnahmen Anfang September 2017 tritt das Trio dann gemeinsam mit Emile Parisien als Gast beim Festkonzert auf der Eisenacher Wartburg zum 25. Jährigen Jubiläum von ACT auf – eine weitere Aufnahme entsteht. Statt eines ergeben sich nun völlig ungeplant zwei im März 2018 erscheinende Alben des Michael Wollny Trios: „Oslo“ und „Wartburg“. Diese Spontanität und Bereitschaft von Geplantem oder Erwartbarem abzuweichen, zeichnet Michael Wollny und sein Künstlertum aus; ohne dabei Entscheidungen willkürlich zu treffen, sondern aus Begeisterung, immer im Dienste der Musik und für das bestmögliche Ergebnis.

So werden die Aufgaben des – kürzlich auch mit dem „Kulturpreis Bayern“ dekorierten – bald 40-Jährigen nicht weniger und vor allem nicht weniger vielseitig: Neben der Tour zu den neuen Alben steht im Mai das große Jubiläumskonzert in der Berliner Philharmonie an. Und beim Hamburger Elbjazz-Festival wird Wollny als dessen erster „Artist in Residence“ in wechselnder Begleitung zu sehen sein. Auch die Erkenntnis, wieviel man als Lehrender lernen kann, wird weiter Teil seiner Arbeit sein: Seit 2014 ist Wollny auch Professor an der Hochschule für Musik und Theater an seinem neuen Wohnsitz Leipzig. So wie er bislang für jedes musikalische Theorem eine eigene, stets überraschende Lösung gefunden hat, wird der achtfache ECHO-Jazz-Gewinner – ein einsamer Rekord – auch alle zukünftigen Vorhaben zu einem Erlebnis für jeden Musikliebhaber machen. Als unverwechselbarer Stilist, der sich nicht um Trends kümmert, sondern sie setzt.

www.michaelwollny.com

Die Konzerte mit Michael Wollny Trio

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