St. Bonifatius-Kirche in Arle

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St. Bonifatius-Kirche Arle, Foto: Karlheinz Krämer
St. Bonifatius-Kirche Arle, Foto: Karlheinz Krämer

Schon von weitem sichtbar ist die stolze, auf einer hohen Warf thronende ev.-luth. St. Bonifatius-Kirche in Arle, die im Volksmund aufgrund ihrer imposanten Größe auch liebevoll „Bauerndom“ genannt wird. Der Ort gehört zur Gemeinde Großheide und zum Kirchenkreis Norden. Für mich ist sie eine der schönsten und interessantesten Kirchen Ostfrieslands. 2013 freut sich Klarinettistin Sharon Kam darauf, gemeinsam mit ihrem Bruder Ori (Bratsche) und Matan Porat (Klavier), genau hier zu spielen.

Entstehung der Kirche in Arle
Am Ende des 12. Jahrhunderts wurde in Arle, das damals durch ein Tief mit der Nordsee verbunden war, eine Einraumkirche mit Apsis aus Tuffstein gebaut. Tuffstein ist zu Stein gewordener Vulkanasche, die per Schiff von Andernach am Rhein hierher transportiert wurde. Im Laufe der Jahrhunderte musste der weiche Stein immer wieder mit Backsteinen ausgeflickt werden.
Um Licht in die Kirche zu bringen, wurden in der Südwand große, gotische Fenster eingebrochen. Gut erhalten in ihrer Gliederung ist die Nordwand, obwohl die Eingänge an den Längswänden der Kirche zugemauert sind. Die später aufgestockte Apsis zeigt romanische Zierformen: Lisenen und Rundbogenfries. Der neoromanische Turm wurde 1886 an die Kirche angebaut. Die Kirche ist flach gedeckt.

Altarraum der Kirche in Arle
Altarraum der Kirche in Arle

Der Innenraum
Qualitätvolle Ausstattungsstücke aus mehreren Jahrhunderten schmücken den Innenraum. Aus der Romanik stammen die vier Sarkophagdeckel an der Nordwand mit späteren Inschriften und der Taufstein aus Bentheimer Sandstein (13. Jahrhundert) mit ornamentalen Verzierungen und einem Sockel mit Löwendarstellungen.
Der geschnitzte Passionsaltar (um 1480) zeigt nordniederländisch-friesische Einflüsse in der lebendigen Bewegung der Figuren. Besonders in der figurenreichen Kreuzigungsszene gibt es viele Details zu entdecken. So zum Beispiel Judas mit dem Geldbeutel um den Hals, der sich an einem Baum aufgehängt hat und die Szene um Pilatus vorne rechts. Während ein Soldat den römischen Statthalter auf Jesus am Kreuz hinweist, neckt ein anderer mit einem Stock ein Äffchen, das hinter Pilatus auf dem Pferd hockt. Der Affe ist nach dem mittelalterlichen „Physiologus“ das Sinnbild für den Teufel. Andere Deutungen gehen davon aus, dass der Affe das Sinnbild menschlicher Torheit ist und in diesem Fall eine Satire auf die Autorität des Pilatus sein soll. Ob die Eidechse auf dem Fels über den um den Rock Jesu würfelnden Soldaten ein Genremotiv ist oder wiederum nach dem „Physiologus“ gedeutet werden kann als Symbol für den Menschen, der durch die Sonne der Gerechtigkeit Christi wieder sehend wird (wie die Eidechse, die im Alter erblindet und sich dann einen Platz in Richtung Sonne sucht), darüber lässt sich keine Klarheit gewinnen. Die Altarflügel wurden im 17. Jahrhundert ausgemalt. Die beiden Reliefs mit Szenen aus der Kindheit Jesu, Geburt und Beschneidung, die jetzt in der Nische des zugemauerten Nordportals untergebracht sind, stammen vermutlich von der verloren gegangenen Predella des Altars.
An der Nordwand ist auch das ehemals im Kirchenschiff aufgehängte Triumphkreuz befestigt, das der Burggraf J.A. Ferar der Kirche 1677 stiftete. In den Vierpässen an den Kreuzenden sind die vier Evangelisten dargestellt.

Besonders beeindruckend
Das Prunkstück der Kirche ist das spätgotische Sakramentshaus aus Baumberger Sandstein (um 1500). Während die Löwen im Unterbau, die den Besucher mit geöffneten Mäulern anzubrüllen scheinen, original sind, wurden die anderen Figuren im 19. Jahrhundert erneuert.

Die Kanzel wurde 1675 in der Werkstatt Jacob Kröpelins in Esens geschaffen. Am Aufgang sind die Erzväter Abraham, Isaak und Jacob zu sehen, auf dem Kanzelkorb die vier Evangelisten und der Apostel Paulus, umgeben von gedrechselten Säulen und Rankenwerk. Auch der Schalldeckel ist mit ornamentalem Schnitzwerk und Heiligenfiguren reich geschmückt.
Die Orgel, die eine Vorgängerin eines anonymen Orgelbauers aus dem 17. Jahrhundert hatte, wurde 1799 von Hinrich Just Müller aus Wittmund und Johann Gottfried Rohlfs aus Esens gebaut. Sie hat ein Manual, zwölf Register und ein angehängtes Pedal.
Die barocken Messingkronleuchter werden auch heute noch bei besonderen Gelegenheiten mit Kerzen bestückt. Der mittlere, besonders reich verzierte, ist 1696 der Kirche gestiftet worden.

Text nach Monika van Lengen

Ev.-luth. St. Bonifatius-Kirche Arle
Am Friedhof 1
26532 Großheide-Arle

Blick ins Kirchenschiff der Kirche Arle
Blick ins Kirchenschiff der Kirche Arle

Lutgerikirche Holtgaste

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Lutgerikirche Holtgaste, Foto: Karlheinz Krämer
Lutgerikirche Holtgaste, Foto: Karlheinz Krämer

Neuer Spielort bei den Gezeitenkonzerten ist in diesem Jahr die Kirche in Holtgaste. Der Förderer dieses Konzertes, die ENOVA Unternehmensgruppe, hatte die auf einer typisch ostfriesischen Warf gelegene Kirche vorgeschlagen, nachdem er vor ca. zehn Jahren die umfangreiche Renovierung der Kirche unterstützt hat.

Holtgaste gehört zur Gemeinde Jemgum im Rheiderland (nicht zu verwechseln mit Holtgast in der Nähe von Esens) und ist als Ort eher überschaubar. Umso erstaunlicher ist die schöne, für die Gemeindegröße doch verhältnismäßig große Kirche mit ihrem separat stehenden Glockenturm. Von der Kirche aus hat man einen wunderbar weiten Blick über die Felder und kann bei guter Sicht bis nach Emden auf der anderen Seite des Dollarts gucken. Zuständig für die Kirchengemeinden Holtgaste und Bingum ist Pastor Armin Siegmund.

Chorraum, Kirche Holtgaste, Foto: Gert Ufkes
Chorraum, Kirche Holtgaste, Foto: Gert Ufkes

Ev.-luth. Lutgerikirche Holtgaste

Die seit dem 16. Jahrhundert ev.-luth. Lutgerikirche wurde nach dem Missionar Liudger benannt. Dieser missionierte im 8. Jahrhundert das heidnische Friesland. Das Innere der Kirche ist eher schlicht. Beeindruckend und sofort ins Auge fallend ist der große, von der Grundfläche her fast viereckige Chorraum aus dem 13. Jahrhundert, der durch einen spitzbogigen Triumphbogen abgetrennt ist. Darin befinden sich über dem schlichten Altar zwei Bleiglasfenster und auf dem Boden zu beiden Seiten je eine Grabplatte.

Kanzel, Kirche Holtgaste, Foto: Wibke Heß
Kanzel, Kirche Holtgaste, Foto: Wibke Heß

Das Taufbecken aus Holz ist mit einem mit Engelsköpfen verzierten dreistufigen hölzernen Deckel verschlossen. Darunter verbirgt sich eine Messingschale, die die Inschrift „Wer da glaubet und getauft wird der wird selig werden“ trägt.
Die Renaissance-Kanzel in roten und braunen Tönen ist ebenfalls mit Engelsköpfen sowie mit Intarsien und Säulen aufwändig verziert.
Als kleines, vermauertes Fenster ist von außen in der Südseite noch das sogenannte Hagioskop zu erkennen. Früher konnten durch solch ein Fenster Menschen mit ansteckenden Krankheiten oder vom Gottesdienst ausgeschlossene Sünder selbigen verfolgen.

Das wertvollste Inventarstück der Holtgaster Kirche befindet sich mittlerweile im Heimatmuseum Rheiderland in Weener. Dabei handelt es sich um Bruchstücke eines Altaraufsatzes aus dem 16. Jahrhundert. Sie zeigen die Passion Christi. Als Vorbild dienten erkennbar Holzschnitte von Albrecht Dürer.

Glockenturm, Kirche Holtgaste, Foto: Wibke Heß
Glockenturm, Kirche Holtgaste, Foto: Wibke Heß

Glockenturm

Die beiden Glocken im 1711 errichteten Turm stammen aus dem 14. Jahrhundert. Eine der beiden, die jüngere von 1379 trägt den Namen Katarina und wurde der Heiligen Katharina von Alexandrien geweiht. Es sind die ältesten Glocken im Rheiderland. Am Konzertabend hat sich die Kirchengemeinde bereit erklärt, die Glocken klingen zu lassen, was Körpereinsatz erfordert, da sie noch von Hand geläutet werden müssen. Persönlich empfinde ich es ohnehin immer nett, wenn unsere Gezeitenkonzerte in den Kirchen durch ein Glockengeläut kurz vor Beginn begleitet werden, erinnert es doch daran, dass man zwar ein Konzert besucht, dieses jedoch in einem Gotteshaus stattfindet.

Ev.-luth. Lutgerikirche Holtgaste

Holtgaste 3

26844 Jemgum-Holtgaste

Spielorte bei den Gezeitenkonzerten

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ev.-ref. Kirche Ditzum, Foto: Karlheinz Krämer
ev.-ref. Kirche Ditzum, Foto: Karlheinz Krämer

In Ostfriesland gibt es einen reichhaltigen Fundus an wunderschönen, zumeist kleinen Dorfkirchen, die sich hervorragend für kleine, intime Kammerkonzerte zumeist in kleinerer Besetzung eignen. Wahre Kleinode haben wir dort schon für unsere Gezeitenkonzerte entdeckt.
Um dem Auftrag der Ostfriesischen Landschaft Rechnung zu tragen, in und für ganz Ostfriesland tätig zu sein, halten wir immer wieder Ausschau nach neuen Orten, um möglichst viele Spielorte dabei zu haben und den Kirchengemeinden gerechter zu werden. Allerdings dürfen wir aber auch die Interessen unserer Geldgeber, des Landes Niedersachsen, der Landkreise Aurich, Leer und Wittmund sowie der Stadt Emden, nicht außer Acht lassen, sodass diese Orte quasi gesetzt sind.

Altes Kurhaus Dangast, Foto: Karlheinz Krämer
Altes Kurhaus Dangast, Foto: Karlheinz Krämer

Den Touristikern ist besonders wichtig, dass die Gezeitenkonzerte die gesamte ostfriesische Halbinsel bedienen, sodass auch besonders schöne Spielorte wie die imposante St.-Georgskirche in Sengwarden, das urige Alte Kurhaus Dangast oder das Pumpwerk in Wilhelmshaven, das bezaubernde Gut Horn Gristede und das Heimathaus in Aschendorf (Emsland) bespielt werden. Die Oldenburgische Landschaft und die Emsländische Landschaft freuen sich über dieses zusätzliche kulturelle Angebot in ihrem Bereich.
Leider hat es in diesem Jahr nicht geklappt, den Park der Gärten bei Bad Zwischenahn einzubeziehen, da sich die Musiker angesichts eines Open-Air-Auftritts zu unsicher waren, obwohl die tolle Zeltbühne überdacht ist. Wir hoffen auf eine baldige Gelegenheit, diese besondere Location mit einzubeziehen; vielleicht mit einem Jazzkonzert im nächsten Jahr. Dass ein Spielort wie die entzückende Deichkirche in Carolinensiel sich als Spielort der Gezeitenkonzerte förmlich aufdrängt, liegt ja wohl auf der Hand!

Auswahlfaktoren

Johannes a Lasco Bibliothek Emden, Foto: Karlheinz Krämer
Johannes a Lasco Bibliothek Emden, Foto: Karlheinz Krämer

Der wichtigste Faktor bei der Auswahl möglicher Spielorte für ein Gezeitenkonzert ist, dass unsere Anfrage positiv beantwortet wird, und da waren wir sehr froh, überall willkommen zu sein. Viele Küsterinnen und Küster haben sich spontan viel Zeit genommen, uns alles ausführlich zu zeigen. Dann ist es wichtig, dass die Akustik und die Gegebenheiten für die Künstler passen. Und nicht überall kann man beispielsweise ein Orchesterkonzert durchführen. Dafür braucht es schon ordentlich Platz, der beispielsweise in der Neuen Kirche in Emden und der Großen Kirche in Leer oder der eindrucksvollen St.-Magnuskirche in Esens sowie der Johannes a Lasco Bibliothek Emden gegeben ist. Auch Formate wie Wort & Musik oder Jazzkonzerte passen nicht überall hin. Die Musiker benötigen eine Umkleide- und Rückzugsmöglichkeit. Die Gastronomie muss sich draußen irgendwo aufbauen können, und nach Möglichkeit soll das noch einladend aussehen. Eine Schlechtwettervariante sollte für alle Fälle ebenfalls vorhanden sein. Leider ist auf den ostfriesischen Sommer nicht immer Verlass! Wichtig sind ausreichende Toilettenkapazitäten, denn nichts ist schlimmer als wenn es sich in den Pausen vor dem einzigen Klo staut und die Gäste ungeduldig werden.
Und nicht zuletzt müssen die Interessen unserer Konzertförderer berücksichtigt werden.

ev.-luth. Kirche Reepsholt, Foto: Karlheinz Krämer
ev.-luth. Kirche Reepsholt, Foto: Karlheinz Krämer

In weiteren Artikeln werden in Kürze einzelne Spielorte der Gezeitenkonzerte vorgestellt.

Stimmungsvoller Abend in Dangast

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Nicolai und Alexej Gerassimez, Foto: Karlheinz Krämer

Dangast ist etwas Besonderes. Ebbe und Flut, Laut und Leise, Kommen und Gehen, Watt und Meer – hier bestimmen die Gezeiten den Lauf der Dinge. Jede Musik, die vor dieser Kulisse erklingt, erhält unweigerlich eine größere Bedeutung.

Passend zum Kommen und Gehen der Gezeiten kamen und gingen die Brüder Gerassimez. Vibraphon und Klavier, Violoncello und Klavier, Violoncello solo, Schlagzeug und Klavier, Violoncello solo, Snare Drum Solo, und am Ende alle zusammen – so abwechslungsreich war das Programm gestaltet. Das hieß, dass Alexej (Vibraphon, Schlagzeug), Nicolai (Klavier) und Wassily (Violoncello) sich die Bühne abwechselnd und in unterschiedlichen Kombinationen teilten.

Besonders informativ und auch unterhaltsam waren ihre Ankündigungen. Alexej zeigte, was man aus so einer einzelnen Snare Drum alles herausholen kann an Dynamik, Rhythmen und Klängen. „Besonders beim Schlagzeug erschließen sich bestimmte Stücke im Konzert leichter. Der Zuhörer kann sehen, wie der Klang entsteht, welches Schlaginstrument wie gespielt wird“, schreibt der 25-jährige über seine Eigenkomposition „Asventuras“ (Abenteuer). Ein Abenteuer war es auch, wie die Brüder von den klassischen Klängen einer Debussy-Sonate über argentinische Traurigkeit (Piazzollas „Grand Tango“) hin zu jazzigen Elementen (Séjourné) in allen musikalischen Gefilden zuhause waren.

Die Brüder waren wahrlich energiegeladen, sportlich locker (vor dem Konzert waren sie noch entspannt im Meer schwimmen), aber zugleich hochkonzentriert und auf den Punkt genau. Das Publikum dankte mit johlendem und anfeuerndem Applaus. Es lässt sich gar nicht sagen, was am Ende der musikalische Höhepunkt war. Alle drei musizieren und ergänzen sich auf so einem hohen Niveau, dass man auch gut drei Abende hätte füllen können.

Wibke hat ja schon auf die spezielle und einzigartige Atmosphäre in Dangast hingewiesen (siehe unten): Sonnenuntergang, Wattenmeer, lauwarmer Wind und das perfekte Wetter machten die Pause zu einem besonders stimmungsvollen Intermezzo.

Lauter glückliche Gesichter verließen nach der Zugabe den Raum. Die Besucher sprachen von einem überwältigenden, ja geradezu spirituellen Konzerterlebnis. Groß war der Andrang beim CD-Stand; jeder wollte ein kleines Autogramm als Erinnerung haben, und die Brüder durften fleißig schreiben und Hände schütteln. Auch im Gerassimez’schen Gästebuch bedankten sich einige Besucher überschwänglich für das schöne Konzert. Das freut uns ganz besonders!

Als gegen 23 Uhr alle Besucher gegangen waren, ging es für uns noch ans große Stühle und Tische rücken. Am Wochenende muss hier ja wieder Rhabarberkuchen gegessen werden. Ach ja, der legendäre Rhabarberkuchen. Den darf man nicht vergessen, wenn von Dangast die Rede ist – er war natürlich vorzüglich. Auch hier gilt noch einmal der Dank an Familie Tapken und das Team vom Alten Kurhaus für seine Gastfreundschaft und das tolle Miteinander. Gerne im nächsten Jahr wieder! Als der große Raum dann wieder hergestellt war, machten wir uns nachts auf den Heimweg und dachten: Ja, Dangast ist doch immer etwas Besonderes.

Das Model der Gezeitenkonzerte: Dangast

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Es gibt Konzertorte, die einfach ein sehr spezielles Flair haben. Ganz besonders freue ich mich deshalb auf das Konzert heute Abend mit den drei Gerassimez-Brüdern im Alten Kurhaus in Dangast. Hier passen Name des Festivals, Ort und Künstler sehr gut zusammen. Das Kurhaus liegt direkt am Jadebusen, sodass man vom Konzertraum aus den Sonnenuntergang genießen kann, und heute auch noch bei perfektem Wetter auf das trockenfallende Watt gucken kann. Zuvor gibt es bei unseren Streifzügen die Gelegenheit mit der Etta von Dangast einen Ausflug auf dem Jadebusen unter anderem zum Arngaster Leuchtturm zu machen. Also ist nach der Flut irgendwann Ebbe.

Nicht so musikalisch. Da gehe ich davon aus, dass die drei Jungs so richtig aufdrehen und für eine Flut an Musik sorgen. Allein die Kombination aus Schlagzeug, Vibraphon, Cello und Klavier in einem Konzert finde ich sehr spannend. Es vereinen sich hier Werke der letzten hundert Jahre – von Debussy, Piazzolla, Ligeti, Psathas und Séjourné … .

Brüder Gerassimez (c) Deutscher Musikwettbewerb/Haring

Beim Lesen der Vitae unserer heutigen „Gipfelstürmer“ gingen bei mir die Augen über. Dass alle drei Preisträger beim Deutschen Musikwettbewerbs des Deutschen Musikrates sind, wusste ich schon länger, aber wenn man so liest, wo die Herren bereits aufgetreten sind (Laeiszhalle, Berliner Philharmonie, Wigmore Hall) und was für Preise jeder für sich so „abgestaubt“ hat, ist sehr beeindruckend, vor allem, wenn man bedenkt, dass sie erst Anfang zwanzig sind. Alexej und Wassily komponieren nebenher auch noch – man darf noch einiges erwarten, denke ich! Einige dieser Kompositionen dürfen wir heute Abend erleben.

Nicolai haben wir Anfang des Monats in Landow erlebt, wo er uns gut gefallen hat. Dort spielte er allerdings Klavier vierhändig.

Besonders freue ich mich auf Wassilys Stück „Transition“, das Matthias Kirschnereit unbedingt im Programm dieses Gezeitenkonzertes in Dangast haben wollte, aber auch auf Piazzollas „Le grand Tango“ und Alejejs „Variations on Libertango“. Über dieses Stück schreibt er im Booklet seiner aktuellen CD: „Eigentlich wollte ich den ‚Libertango‘ von Astor Piazzolla für Klavier und Vibraphon arrangieren. Doch während des Arrangierens kamen mir immer wieder musikalische Ideen und Einfälle. Mit der Zeit entwickelte das Stück ein Eigenleben und entfernte sich immer weiter von der ursprünglichen Version. Es ist jetzt ein eigenständiges Stück mit jazzigen, minimalistischen Elementen und Improvisationen im Mittelteil.“ Vielen Dank an dieser Stelle mal wieder an Ulf Brenken, der mir bereits im Vorfeld viele Informationen über die Kompositionen für das Abendprogramm hat zukommen lassen. Ihn hat speziell dieses Konzert so gereizt, dass er seine geliebte Stadt Hamburg verlässt, um es live zu erleben.

Hier in Dangast entstanden übrigens viele unserer „Gezeiten-Fotos“ – am anderen Ende der Ostfriesischen Halbinsel.

Motiv Gezeitenkonzerte, Foto: Karlheinz Krämer

Wir bedanken uns bei unseren Festivalförderern